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Frühling 2006

Editorial: Reife geschieht


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Konflikte konstruktiv und auf reife Weise lösen

Fragen des guten zwischenmenschlichen Klimas, der Vorbeugung von Machtmissbrauch, der guten Behandlung der Mitarbeitenden, Familienangehörigen, Nachbarn bzw. die Folgen von Missständen bzw. daraus resultierender Erkrankungen und Gewaltausbrüchen machen heute leider recht häufig Schlagzeilen. Aus den Medien vernimmt man immer wieder, dass Menschen bei Konflikten oder Streit an ihre Grenzen kommen. Konflikte, psychosozialer Stress, Mobbing verlangen nach Lösungen. Mediation und Teamentwicklung bilden dazu einen wertvollen Ansatz.

von Léonie Kaiser

Als immens werden in der Fachwelt die volkswirtschaftlichen Folgekosten eingeschätzt, wenn es mit dem zwischenmenschlichen Klima im Argen steht. Die häufigen Abwehrreaktionen auf Konflikte sind bekannt: Kampf, Flucht und Resignation. Dieses Gewinn-Verlust-Denken zerstört nicht nur Beziehungen, sondern beeinträchtigt auch das Wohlbefinden. Aber jeder Konflikt birgt in sich gleichzeitig immer auch eine Chance zum Lernen, zur Weiterentwicklung und zum reifer werden.

"Appreciative Inquiry" und "Reteaming"

Mit "Appreciative Inquiry" und "Reteaming" werden Personen bei einer Mediation oder im Arbeitsumfeld häufig im Rahmen einer Teamentwicklung befähigt, Konflikte gemeinsam zu lösen. Es erfolgen dabei keine Schuldzuschreibungen, und Rechtfertigungen haben nur am Rande Platz. Wichtig ist, dass sich auf beiden Seiten positive Wünsche und eine positiv lautende Zukunftsvorstellung entwickeln. Dadurch wird die sog. "Lösungstrance" hergestellt bzw. die Energie freigesetzt, die es möglich macht, dass die betroffenen Personen selber Lösungsmöglichkeiten erkennen. Wenn man ständig bei der Frage stecken bleibt, wer Schuld an der gegenwärtigen Misere trägt, glaubt man selbst gar nicht mehr daran, dass es Lösungen gibt. Es fliesst fast immer nur negative Energie, wenn man sich mit der Schuldfrage beschäftigt. Dadurch wird der Graben zwischen den Betroffenen nur noch tiefer.

"Appreciative Inquiry" baut auf wertschätzendem Erfragen und gewaltfreier Kommunikation auf. Es soll das sichtbar machen, was bislang besonders gut gemacht wurde. Dadurch soll ermöglicht werden, dies auch in Zukunft (wieder) zu tun. Bei "Reteaming" werden die Probleme in korrespondierende, positiv lautende Ziele verwandet. Der Verzicht auf eine Analyse der Ausgangssituation und die Zukunftsorientierung schaffen ein Klima, wodurch das (Er-) Finden von Lösungen begünstigt wird.

Mediation = Vermittlung, Ausgleich, Versöhnung

Eine Mediation will zukünftiges Zusammenleben (Kommunizieren und Kooperieren) ermöglichen. Das versandete Gespräch wird mit Hilfe der Mediation wieder aufgenommen. Die verzerrten Bilder der streitenden Parteien werden korrigiert. In der Mediation brechen verkrustete Haltungen auf. Konflikte, Strukturen und Emotionen werden wieder sichtbar, erfahrbar und kommunizierbar. Dadurch kommt der ins Stocken geratene oder gar eingefrorene Prozess des Miteinanders wieder in Fluss. Im Blickpunkt dieser Klärungsanstrengungen stehen fest gefahrene Verhaltensmuster, die im Laufe der Zeit einen quälenden und lähmenden Charakter angenommen haben, was die Weiterentwicklung behindert. In einer Mediation sollen verhärtete Fronten abgebaut und für alle Beteiligten positive Zukunftsperspektiven erarbeitet werden können. Die gleiche Ausrichtung kann im Arbeitsumfeld auch mit einer Teamentwicklung verfolgt werden. Die Grenze zwischen Mediation und Teamentwicklung ist fliessend. Die Erkenntnis, dass ein Konflikt von den Betroffenen selbst positiv beigelegt werden kann, ist eines der wichtigsten Resultate und führt in der Regel dazu, dass die involvierten Personen Konflikte, d.h. Probleme, die sich im Zusammensein mit anderen Menschen eigentlich immer in irgendeiner Form ergeben, auf reifere Weise anzugehen. Die allseitige Gewinn-Konfliktbewältigung fördert neben dem konkreten Nutzen auch noch weitere eher grundsätzliche positive Aspekte wie persönliche Sicherheit und Wertschätzung, was ausgesprochen vertrauensbildend wirkt. Gegenseitiges Vertrauen bildet die beste Voraussetzung für tragfähige Beziehungen unter Menschen und Vertrauen im Umgang unter einander bildet die Grundlage für reife zwischenmenschliche Beziehungen. Im Arbeitsumfeld bestehen denn auch in der Regel in einer vertrauensvollen Umgebung eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit und eine geringe Zahl von Krankheitsabsenz. Sehr oft kann durch eine Mediation bzw. eine Teamentwicklung eine Lösung zur Zufriedenheit aller gefunden werden, die von Dauer ist. Auch bei einem Generationenkonflikt können mit diesen Ansätzen Verhärtungen aufgeweicht und bewirkt werden, dass gegenseitig bereichernde Begegnungen zwischen jung und alt sowie wohlwollendes Verständnis für einander wieder möglich werden.

Emotionale Verletzungen können bei einem reifen Umgang mit Konflikten geheilt werden und niemand muss mehr befürchten, das Gesicht zu verlieren. Investitionen im Hinblick auf einen konstruktiven und reifen Umgang mit Konflikten lohnen sich deshalb unter allen Titeln immer!


Der vollständige Text mit dem Titel "Lösungsorientierte Ansätze in Teamentwicklung und Mediation bei Konflikten im Arbeitsumfeld" wird gegen eine Umtriebsentschädigung von Fr. 12.– auf Wunsch gerne postalisch zugestellt und kann bestellt werden bei Léonie Kaiser, Sozialabteilung Richterswil, Chüngengass 6, 8805 Richterswil, Tel. 044 787 12 73 bzw. E-Mail: leonie.kaiser@richterswil.ch