Reifende
Arbeitgeber, reifende Arbeitnehmer
Gedanken
eines Reifenden zu Markt-Beobachtungen von Peter Kessler

Man spricht von Verkäufermarkt
und Käufermarkt. Auch von Arbeitsmarkt. Und der Begriff Markt kann
wohl auch für den täglichen Markt des Miteinanderumgehens
verwendet werden.
Auf dem Arbeitsmarkt sind
je nach Konjunkturlage - die Stellensuchenden oben; in den letzten Jahren
jedoch sind es die Arbeitgeber (sollten eigentlich Arbeit-Nehmer genannt
werden), welche am längeren Hebel sitzen. Wohlstand und Wohlbefinden
für die Bewohner der Schweiz, des Kontinentes oder des ganzen Globus
werden als Zielsetzung der Marktmechanismen genannt. Was jedoch nur
dann funktioniert, wenn der Markt in Balance ist.
Grosses Lob gilt denjenigen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der reifenden Schweiz es sind
deren sehr viele welche auch in Zeiten von Dis-Balance auf dem
Arbeitsmarkt ihre jeweilige Stellung nicht zu Ungunsten der andern Seite
ausnützen. Da sie irgendwie spüren, dass es eigentlich gar
keine andere Seite gibt. Weil doch letztlich alle von allen abhängig
sind. Nicht nur im metaphysischen, sondern auch im materiellen Sinn.
Was leider allzu oft vergessen
geht. Beispiel: da ist eine Firma, welche Mitarbeitende bei geringstem
Anzeichen eines Absprungs zur Konkurrenz gleichentags vor die Türe
stellt. Aus Angst vertrauliche Informationen würden mitgehen. Jedoch
geht vergessen, dass solche Ex-Mitarbeitende eines Tages die (teueren)
Geräte nicht von der alten Firma für ihren neuen Arbeitgeber
einkaufen werden.
Total Quality Management hat
meines Erachtens neben den technischen Aspekten eben auch sehr viel
mit Human Resources Management zu tun. Und in dieser Hinsicht wäre
es wohl angemessen, sich wieder etwas auf die längerfristigen Perspektiven
zu besinnen. Eben darauf, dass alles und alles wirklich zusammenhängt.
Anderes Beispiel gefällig:
ich bin erstaunt, wie wenig das goldene Instrument des Feedback gebraucht
wird. Im Sinne dieser erwähnten Vernetztheit und Abhängigkeit
mit allen (und allem) wäre doch ein Ausdruck der gegenseitigen
Wertschätzung (im Sinne von: "Bei uns ist der Kunde König"
oder "Unsere wichtigste Ressource sind die Mitarbeitenden") auch in
scheinbar kleinen Dingen wichtig. So z.B. ein Bescheid auf die eingereichte
Bewerbung mit Rücksendung der Unterlagen. Auch wenn diese in Massen
eingetroffen sind. Oder: ein Dank an die Organisatoren des Gemeindeanlasses.
Oder ein Feedback zu einer eingereichten Beschwerde über ein Produkt.
Oder ein Telefon wegen verspäteter Lieferung. Oder eine Dankeskarte
an die Person, welche bei der Jobsuche mit Informationen weitergeholfen
hat. Tausende weitere tägliche Beispiele könnten erwähnt
werden, wo wir uns freuen, wenn wir von der andern (Markt-)Seite einen
Feedback bekommen. Nach einer Einladung zur Schifffahrt vielleicht,
oder zur Oper. Und wir kehrum das Gleiche tun würden.
Im Kleinen und Alltäglichen
könnte geübt werden, was auch zum reifenden Arbeitgeber, Arbeitnehmer,
Bürgerin und Welt-Bewohner führt. Das Ernstnehmen des Gegenübers.
Einfach nach der goldenen Regel: so wie ich es selbst von der andern
Seite schätzen würde. Es wäre zudem auch "good business".
Der vom alten Job zum Konkurrenten und dann zum Anwender Weggehende
würde dann viel eher die Ausrüstung, den Service der ehemaligen
Firma bestellen, nun da er in eine gehobenen Position aufgestiegen ist.
Schlüssel zu einem reifenden
Verhalten der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung ist wohl
diese Einsicht des Zusammenhängens aller Dinge. Und die Dankbarkeit
für die Existenz aller Dinge und Phänomene. Die reifende Schweiz,
besser, der reifende Schweizer und die reifende Schweizerin sind eben
vielleicht daran zu erkennen, dass sie sich erkenntlich zeigen.
