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Herbst 2003

Editorial: Bunte Reifung


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Generation45plus - Wissen, was zählt

Von Roman Valent

Ein Newsletter zur österreichischen Aktion Fundament - Generation 45plus

Nachdem unser Thema, unser Anliegen ein sehr langfristiges ist, ein Umdenken langsam in den Köpfen stattfinden muss und die wirklichen Taten oft erst viel später kommen, habe ich lange mit dem nächsten Newsletter gewartet. Um ja etwas Spannendes, Neues berichten zu können. Ergebnisse, die sich sehen, lesen lassen können. Jetzt werde ich nicht mehr zuwarten, ich möchte diesmal eine Art Stimmungsbericht wiedergeben bzw. wichtige Gedanken zusammenfassen, auf Grund von Erlebnissen, die ich in diesen Monaten gemacht habe.

Informationen zu den verschiedenen Themen sehen sie ja in der Homepage. Unsere Mitglieder bekommen auch laufend aktuelle Informationen, Tipps zu allen Themen, welche wir in Projektarbeiten behandeln.

....ich wollte auch schnell Erfolge haben, in die Schlagzeilen kommen. Auch hat es gleich positives Feedback gegeben, von allen Seiten (Homepage Startseite "allgemeines Feedback). Unsere Mitgliederzahl ist gewachsen — weil immer mehr Arbeitssuchende — und wir haben eine Jobsite auf unserer Homepage erstellt. Ich denke, es ist die erste Homepage der Generation 45plus.

Doch wird mir langsam klar, was das heißt, in unserem Fall einen langen Atem haben zu müssen. Es wird nicht wichtig sein, in die Schlagzeilen zu kommen, sondern wirklich, kontinuierlich an unseren Anliegen zu arbeiten. Und wenn noch so viele Rückschläge, Enttäuschungen kommen. Wenn es für die Firmen dann wirklich um Taten geht, nämlich wieder an die G45 zu denken und sie zurückzuholen, dann sind sie, momentan zumindest... wieder weg. So nah wollen sie uns auch wieder nicht kommen!

Da bin ich doch wieder ein wenig ungerecht: einige von uns haben doch schon wiedereinen Job bekommen .

Derzeit sind wir über 50 Mitglieder, rd. 1/3 sind in einem Arbeitsverhältnis (sie machen trotzdem aus sozialen Motiven mit, es bleibt ihnen ein Anliegen, was mit der G45 geschieht). Wir haben auch Frühpensionisten in unseren Reihen, die sich selbst noch nicht zu alt fühlen, um bei sinnvollen Aufgabenstellungen mitzuarbeiten und auch noch einen Job im möglichen Teilzeitrahmen bekommen wollen.

Darauf wird es zukünftig auch ankommen, gesund zu bleiben, einen Wert für die Wirtschaft dazustellen. Denn sonst wird sich das nicht ausgehen: "mit 60 zu jung für die Pension (nach letzter Reform) und mit 45/40 zu alt für den Arbeitsmarkt. Das muss man sich einmal wirklich in Ruhe überlegen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, was das bedeutet. Natürlich ist unsere Generation grundsätzlich bereit, länger zu arbeiten, wenn man sie lässt bzw. sie auch gesund sind. Bis jetzt haben aber sehr viele Betriebe sehnsüchtig auf die Möglichkeit gewartet, die Leute in die Frühpension zu schicken, sie mit der kompromissbereiten Hilfe der Betriebsräte hinaus zu komplementirren. Auch die Betriebsräte haben neue Zielsetzungen vor sich.

Reife muss wieder als Wert erkannt werden, als Humankapital. Da bin ich zuversichtlich, dass das kommen wird. Es ist eine Frage der Zeit, da werden wir gar nicht mehr auf die unaufhaltsamen Veränderungen aufgrund der demographischen Entwicklung warten müssen. Erfahrungswissen muss auch genauer definiert werden. In einer Studie von

Manfred Krenn (www.akwien.at) - Arbeit und Alter — Literatur und Forschung, wird das sehr gut dargestellt. Dr. Giger (Schweiz) beschäftigt sich auch sehr ausführlich mit diesemThema und hat eine sehr interessante Homepage dazu (www.gigerheimat.ch) erstellt. Lorbeeren hat sich da auch Fr. Monika Birkner (1. Platz v. Zukunftsinstitut für Coaching 45plus) verdient (www.monika-birkner.de) .

Zögernd schaut sich die Politik die Sache an. Nach meinen Gefühl wissen sie noch nicht, sollen sie das Problem eher noch verniedlichen, oder sollen sie es schon zu behandeln versuchen. Vielleicht haben einige es auch verdrängt. Politik mit Herz ist auch wieder mehr gefragt, es gibt fast nichts Schöneres, als unsere Parlamentarier bei Statements zu erwischen, welche inhaltlich auch schon öfters so gesagt wurden. Vertrauen wird auch wieder ein wichtiger Wert werden für die Zukunft und Nachhaltigkeit. Die Politik, und nicht nur sie, soll sich einmal überlegen, wie sich jemand fühlt, der sein ganzes Leben gearbeitet hat — ich habe Leute in der Gruppe, die 30 Jahre bei einer Firma waren — und auf die jetzt ganz einfach vergessen wird. Vielleicht denken sich manche: " das ist nicht so arg, eine Art Frühpension". Das ist es nicht, meine Damen und Herren, es ist zumeist ein schwerer Schock, eine totale Irritation, viele fallen in Depressionen. Ich denke, dass darf nicht sein, es soll und braucht auch nicht so sein.

Weg von den Schlagzeilen, von der Oberflächlichkeit. Es scheint so, dass derzeit viele nur trachten, bei den Medien gut anzukommen. Wir brauchen in der Politik eigentlich keine Schauspieler. Da ist auch der Bürger (Wähler), gefordert, sensitiver zu werden.

Die Interessensvertretungen beginnen schon, bei Informationsveranstaltungen sich des Themas anzunehmen. Man hat aber manchmal das Gefühl, sie hören mit der Behandlung desselben gleich wieder mit dem Ende der Veranstaltung auf, vor dem kleinen Büfett. Etliche verlieren die Lust, vielleicht die Kraft, sich wirklich damit zu konfrontieren. Derzeit erschöpfen sich die Tätigkeiten oft in Alibihandlungen, zu komplex erscheint die Thematik. Sie reden über die Älteren, aber noch nicht mit ihnen (den Betroffenen).

Die Generation 45plus muss wieder mehr Mut fassen, sich wirklich an Ihre Potentiale zu erinnern. Gerade jetzt, unter diesen problematischen Umständen, müssen sie ihre Werte einsetzen, um sich eben auch, wo möglich selbst aus diesem Schlamassel zu befreien. Nicht im Schmollwinkel darauf warten, bis man gerufen wird, bis man über sie spricht. Die Potenziale einsetzen heisst auch, einen gewissen Stil dabei zu bewahren. Ihr Know-how einsetzen, win-win Situationen zu suchen, aber auch Grenzen der Freundlichkeit zu setzen, wo es darauf ankommt, "Flagge" zu zeigen.

Sie dürfen sich auch von den vielen Absagen zu den Bewerbungen nicht langfristig irritieren lassen. Aber sie dürfen auch Emotionen zeigen, dass Ihnen das auch nicht gleichgültig ist, so oft Absagen zu bekommen. Sie sollen natürlich diese nicht persönlich nehmen, dürfen zeitweise aber auch niedergeschlagen sein. Sie sind ja keine Roboter.

Die Personalisten müssten wieder einen Instinkt entwickeln, ein Gefühl, was hinter einem

Menschen sich verbirgt, der sich vorstellt und eventuell doch unsicher erscheint, ein "Feeling" bekommen. Nicht eine burgtheaterreife Leistung erwarten, einen Über-Drüber Typen, der nur zahllose Bewerbungstrainings hinter sich hat, Bücher verschlungen und alle Fragen/Antwortenspiele auswendig gelernt hat. Vielen ist das Gefühl, der Instinkt, die Intuition verloren gegangen, sie brauchen für jede kleine Entscheidungssituation einen Coach, der ihnen die Entscheidung/Verantwortung abnehmen soll. Beratung ist gut, was derzeit aber alles angeboten wird, hilft oft nur mehr den Beratern. Man soll die wichtigsten Spielregeln für eine Bewerbung kennen und dann authentisch bleiben. Vielleicht wäre es gut, einmal ein Anti-Choachingprogramm zu entwickeln. Jeder der Macht hat, soll sorgfältig damit umgehen, mit Demut (den Mut, zu dienen).

Es ist nicht leicht, diese Krise als Chance zu sehen, aber diese Chance zu einer Neuorientierung ist wirklich gegeben. Nie anfangen aufzuhören, nie aufhören anzufangen.

Hürden sind da, um überwunden zu werden, danach hat man wieder etwas gelernt.

Gemeinsam werden wir diese Probleme besser angehen können, auf die Worte müssen jetzt die Taten folgen, nachhaltig, mit langem Atem.

Alle, die sich irgendwie betroffen, herausgefordert fühlen, sind herzlich aufgerufen, mitzuhelfen. Im Grunde ist es für alle eine Chance zu beginnen, neue Einstellungen zu leben und an einem generellen Wertewandel positiv mitzuarbeiten.

Glauben Sie mir, jetzt, gerade jetzt ist der Zeitpunkt da, um etwas bewegen zu können!

Später werden dann alle auf den Zug springen wollen. Auch langfristig erfolgreiche Unternehmer können sich jetzt schon Lorbeeren auf diesem Gebiet holen, bevor sie von der demographischen Entwicklung eingeholt werden.

Fundament — Generation 45plus

Wissen was zählt

www.generation45plus.at

e-mail: roman.valent@chello.at

Tel.: 06991 9689864

 

Mitglied werden: die Mitgliedschaft/Interessensmeldung ist kostenlos und unverbindlich. Zur Anmeldung genügt ein Mail oder die Eintragung von der Homepage (Interessensmeldung ausfüllen und senden). Nach Anmeldung sind Sie auf der Verteilerliste und bekommen zu den Themen bzw. behandelten Projektarbeiten laufend Informationen/Tipps etc..Weiters besteht die Möglichkeit, an Gruppentreffen teilzunehmen, bei Projektarbeiten mitzumachen und Vorträge/Infoveranstaltungen zu besuchen.