REIFE.CH

Herbst 2005

Editorial: Reife duftet


AKTUELLE BEITRÄGE

Neu dazu gekommen:

"Reifen statt ausbrennen. Zentrale Faktoren zur Erreichung oder Wiederherstellung der Work-Life-Balance"

"REIFE.CH - Identität und Sinn stiften". Aus dem Magazin von TERTIANUM.


Lob der Langsamkeit

50plus: eine Polemik

Leben: Reifen von der Geburt bis zum Tod

Besinnliches von Edmond Tondeur

Vom Reifen einer Vision

Musikfarben

Keine Greisenherrschaft - ein Beobachter-Interview

Wachtsumsmarkt 55plus?

Hinweise auf Reifendes


WEITERHIN:

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Rückblick auf frühere Ausgaben von REIFE.CH

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Editorial (Herbst 05): Reife duftet

Während alle Welt auf den Sonnenuntergang starrt, blickt die Katze ruhig und abgeklärt in die andere Richtung. Das scheint mir ein hübsches Symbol für REIFE.CH. In den paar Jahren, die seit der Gründung unserer Plattform für eine neue Sicht des älter Werdens vergangen sind, hat sich das öffentliche Interesse an Fragen rund um Alter und Altern geradezu explosionsartig vermehrt.

Gerade ist in St.Gallen der erste "World Ageing & Generations Congress" zu Ende gegangen. Nun ja, mit Millionen öffentlicher Gelder lässt sich so was organisieren und marktschreierisch vermarkten, wenngleich offenbar der Teilnehmerkreis im Wesentlichen auf jene Profis beschränkt war, die mittlerweile von der Beschäftigung mit dem Thema Alter mehr oder weniger gut leben.

Allerdings ergab sich in der ganzen Medienberichterstattung über den Kongress nirgends ein Hinweis darauf, dass dabei wirklich über eine neue Sicht des älter Werdens debattiert worden wäre. Stattdessen ist etwa unverdrossen von "Überalterung" die Rede. Als ob nicht die unlängst wieder statistisch bestätigte Tatsache, dass unsere Lebenserwartung immer noch wächst, Anlass zu höchster Freude statt zu miesepetrigem Jammern wäre, erweitert sie doch unsere Lebensperspektiven ungemein.

Ansonsten ergibt ein Blick in die Art, wie sich die Medien mit dem Thema Alter beschäftgen, ein buntscheckiges, um nicht zu sagen chaotisches Bild. Ein paar Schlagzeilen, über die ich in den letzten Wochen und Monaten gestolpert bin, belegen dies:

Alle erwarten, dass man happy ist. Die Publizistin Klara Obermüller hat ein sehr persönliches und offenes Buch über die Zäsur des Ruhestands geschrieben. (TagesAnzeiger, 14.7.05)

Die Armee der Alten. Auf China und Indien kommt ein Problem gigantischen Ausmasses zu: De Milliardenvölker vergreisen so schnell, dass ihr gesellschaftlicher Konsens bedroht ist. (SPIEGEL, 28/2005)

Viel Geld, aber wenig zu kaufen. Die Senioren haben heute ganz andere Bedürfnisse als noch vor einigen Jahren. Die Firmen scheinen dieses kaufkräftige Segment aber zu ignorieren. (TagesAnzeiger, 30.5.05)

Die jungen Alten. Alte sind wie Junge, nur älter. Sie wollen nicht allein leben. Und sie sind aktiv - statt ins Altersheim zu ziehen, haben sie eine Alterswohngemeinschaft gegründet. (St.Galler Tagblatt, 7.5.05)

Fünfzigjährige als Halbstarke. Die Menschen werden älter, aber nicht erwachsen. Diesen Befund belegt das Buch von Claudius Seidl. (TagesAnzeiger, 30.4.05)

Glücksbringer aus dem Labor. In Japans Altersheimen und Spitälern entlasten Roboter das Pflegepersonal. (Tages-Anzeiger 29.8.05)

Im Alter gehts ruhig zu? Falsch! Das Alter ist unsere zweite Pubertät, sagt die Psychiaterin Bernadette Ruhwinkel.

Pubertät im Alter? Das erscheint uns so wenig attraktiv wie die Vorstellung von Robotern im Altersheim oder die Tatsache, dass zu oft an referen Menschen nur deren Kaufkraft interessiert. Wir setzen deshalb nach wie vor auf die Überzeugung, dass Wesen und Sinn des älter Werdens in fortschreitender Reifung besteht. Was immer Chance und Verpflichtung zugleich ist. Reife und Reifung sind und bleiben deshalb immer im Fokus der Beiträge auf REIFE.CH.


Gut Ding will Weile haben. Diese Volksweisheit gilt für alle Reifungsprozesse, und deshalb natürlich auch für REIFE.CH. Weshalb wir erst einmal ein Lob der Langsamkeit singen...

Das diesmal etwas längere Warten hat sich gelohnt. Die Herbsternte 2005 von REIFE.CH umfasst ein buntes Spektrum:

Elke-Heidrun Schmidt hat gerade die angeblich magische Altersgrenze von fünfzig überschritten und polemisiert gegen den 50plus-Stuss.

Fridolin Herzog ertrinkt in der Literaturflut über das älter Werden und macht sich stattdessen eigene Gedanken über Leben: Reifen von der Geburt bis zum Tod.

Ebenfalls mit tiefen Fragen beschäftigt sich die Textsammlung Besinnliches von Edmond Tondeur.

Die Fortsetzung einer früheren Geschichte von Hans Kissenpfennig erfahren wir im Beitrag Vom Reifen einer Vision.

Dass auch unsere sinnliche Wahrnehmung reifen kann, zeigt Ueli Ganz in seinem Beitrag über Musikfarben.

Meine persönliche Meinung über die Neuen Alten finden Sie in einem Beobachter-Interview, jene über den angeblichen Wachstumsmarkt 55plus in einem Interview mit der Uni St.Gallen.

In der Rubrik Hinweise möchte ich Sie besonders auf eine Buchbesprechung von Annemarie Wäger über gereifte Wallisserinnen hinweisen: Rosenkranz und Fasnachtstanz.

Neu dazu gekommen:

In einem Vortragsmanuskript macht sich Peter Kessler Gedanken über "Reifen statt ausbrennen. Zentrale Faktoren zur Erreichung oder Wiederherstellung der Work-Life-Balance"

Das Magazin der stark im Bereich "Wohnen im Alter" engagierten Stiftung TERTIANUM berichtet in der Dezemberausgabe 2005 über "REIFE.CH - Identität und Sinn stiften".


Im erwähnten Beobachter-Interview habe ich auf eine Frage nach den Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt folgendes gesagt:

Meine grösste Hoffnung liegt bei den jüngeren Alten kurz nach der Pensionierung. Von ihen erwarte ich mehr als von Beamtendenkern. Für zukunftsgerechte Übergangslösungen braucht es Fantasie.

Vor ein paar Tagen war ein alter Freund zu Besuch, drekt nach der Pensionierung. Von Ruhestand allerdings keine Spur. Vielmehr hat er mit drei alten Kollegen aus demselben Unternehmen, die alle auch frisch pensioniert sind, eine Investment-Gesellschaft gegründet, die nicht nur Geld in zukunftsorentierte Projekte und Firmen investieren will, sondern auch das eigene Know how und die eigene Erfahrung.

Eines steht fest: Es macht dieser "Rentner-Band" (oder "Rentner-Bande"?) offensichtlich Spass, frei von den Zwängen einer Institution und mit der gelassenen Distanz der reiferen Jahre, das zu tun, was sie wollen, und wie sie es wollen. Ganz von selbst entstehen dabei neue, flexible Organisationsstrukturen der vernetzten Art.

Meine Prognose hat sich also in diesem Fall voll bestätigt. Was einmal möglich ist (und es handelt sich keineswegs um das einzige Beispiel), ist überall mglich. Ich wage sogar die kühne These, dass gesellschaftliche wie wirtschaftliche Innovationen in Zukunft vor allem von den Altersrändern her kommen werden, also von den Jungen und den Alten.

Es tut sich also was in Sachen Reifung. Das stimmt mich zuversichtlich - und Sie hoffentlich auch...

In diesem Sinne wünsche ich einen entschleunigten Herbst und Winter.

Ihr Andreas Giger


P.S. REIFE.CH-Leserin Anna Jeziorski hat sich eigene Gedanken darüber gemacht, was Reife und REIFE.CH bedeuten könnten:

REIFE.CH - zeigt Reife-Chancen auf; die Reife.ch Generation in einer gereiften Gesellschaftsformation, als nicht abnutzbare Reifen.ch - wertbare behütende ReifeStrukturEinheiten.

REIFE.CH als innovative Komponenten reifbaren unermüdlichen REIFEPROZESSEN im ge-reifen ALTER.

 Reife.ch - greifbar nah

Reife.ch - Symbiose aus Weisheit und Wissbegierde

Reife.ch - reife Pflanzen lassen sich nicht hängen

Reife.ch - als Fortschritt der Reife

Reife.ch - die ReifePrüfung


P.S. 2 Alle Bilder dieser Ausgabe wurden von mir zwischen dem 5. und 19. September 2005 auf der griechischen Kykladen-Insel Santorini aufgenommen.