.
Anti
Aging: Forever young ?!
Eigene Zusammenfassung
einer Diplomarbeit von Kerstin Heydecker

A. EINLEITUNG
Anti-Aging - das Alt-werden hinaus-zögern!
Der Wunsch, ewig
jung zu bleiben und das Altwerden so lange wie nur möglich hinauszuzögern,
begleitet den Menschen, solange es ihn gibt. Dank der medizinischen
Fortschritte können die Menschen in der heutigen Zeit mit einer
Lebenserwartung rechnen, die im Vergleich zu den vorigen Jahrhunderten
geradezu unglaublich ist. Wer alt wird, braucht deshalb noch lange keinen
Abschied vom Leben zu nehmen. Das biologische Alter vieler Menschen,
d. h. die Fitness von Körper und Geist, weicht immer mehr vom tatsächlichen
chronologischen Alter ab: Die Menschen sind aktiver, fitter und fühlen
sich auch deutlich jünger als früher! Dennoch müssen
sie feststellen, dass die Zeichen der Zeit ihre sichtbaren Spuren am
Körper hinterlassen. Falten, Altersflecken und schlaffe Haut sind
die negativen Begleiterscheinungen des Alterns, die man nicht kampflos
hinnehmen will. Produkte unter dem Schlagwort Anti-Aging liegen deshalb
im Trend und finden selbst bei jüngeren Altersgruppen Anklang,
die das Alter frühzeitig in den Griff bekommen wollen.
Da jugendliches
Aussehen häufig gleichbedeutend mit gesellschaftlicher Macht ist,
sind Körperkult und Schönheitswahn in der heutigen Gesellschaft
allgegenwärtig. Anti-Aging stellt in diesem Zusammenhang für
viele das Wundermittel dar, das hilft, jung zu bleiben oder sogar Altersprozesse
rückgängig zu machen. Fakt ist: "Der Wert Jugend ist etwas
wert; der Traum von der ewigen Jugend generiert Milliardenumsätze."
Hinter dem dringenden Bedürfnis, auch im höheren Alter
noch ein attraktives Äußeres zu bewahren, sehen gerade Kosmetikhersteller
gute Wachstumsmöglichkeiten.
Anti-Aging ist ein
Modebegriff, der in aller Munde ist - in Fachpublikationen wird über
Sinn und Unsinn gestritten, Gesundheitssendungen und Frauenzeitschriften
geben in Anti-Aging-Rubriken Fitness- und Ernährungstipps. Anti-Aging
ist mittlerweile ein Schlagwort geworden, das alles meinen kann. Im
rapide wachsenden Anti-Aging-Markt lässt sich eine geradezu inflationäre
Verwendung des Begriffs beobachten, die den ursprünglichen Anti-Aging-Kern
immer mehr verschwimmen lässt. So ist es wenig verwunderlich, dass
sich die Geister von Medizinern, Fachleuten, Medien, Kosmetikunternehmen
und Konsumenten scheiden, wenn es darum geht, Anti-Aging sowie seine
Hintergründe und Auswirkungen genauer zu definieren und zu beschreiben.
Gerade die Verbraucher
verlieren schnell den Überblick angesichts der riesigen Angebotspalette
unter dem Label Anti-Aging, die von den Werbestrategen ständig
ausgeweitet wird: Hotels bieten Wellness-Urlaube mit "Forever-Young-Garantie",
Unternehmen versehen Cremes und Kapseln mit einem Anti-Aging-Etikett,
und Apotheken und Drogerien haben Vitamine und Mineralien mit Verjüngungseffekt
im Angebot. Selbst Knäckebrot wird schon unter dem Motto "Jugendliche
Schönheit kommt von innen" verkauft. Immer mehr Unternehmen wollen
auf der Anti-Aging-Welle mitreiten, so dass im Markt auch zahlreiche
Quacksalber und schwarze Schafe zu finden sind, die Interesse, Illusionen
und Verwirrung der Konsumenten ausnutzen.
Im Rahmen dieses
Artikels sollen zunächst Fakten und Wissen über das Schlagwort
Anti-Aging vermittelt werden. Es wird eine grundlegende Orientierung
unter Berücksichtigung des Anti-Aging-Kerns geboten, die eine Einschätzung
des Themenbereiches erleichtern und einen Überblick über dessen
unterschiedliche Facetten geben soll. Durch Gegenüberstellung von
Expertenmeinungen aus verschiedenen Branchen soll der Umgang mit Anti-Aging
in der Praxis unter die Lupe genommen werden. Aufgrund der Ausmaße,
die der Anti-Aging-Markt mittlerweile angenommen hat, ist eine Kenntnis
der unterschiedlichen Zielgruppen unumgänglich, wenn das Produkt
den Nerv der Verbraucher treffen soll. Es wird ein Segmentierungsansatz
vorgestellt, der den Eigenheiten, Bedürfnissen und Wertvorstellungen
der unterschiedlichen Anti-Aging-Typen gerecht zu werden versucht.
B. ANTI-AGING UND SEINE
WURZELN
Mit dem Vorsatz
"Back to the roots" soll in diesem Rahmen zunächst erforscht werden,
wo die eigentlichen Ursachen für den enormen Anti-Aging-Boom in
letzter Zeit liegen. Der Wunsch nach ewiger Schönheit und Jugend
ist schließlich kein Phänomen der Neuzeit, sondern schon
seit Jahrhunderten existent. Die Wurzeln für diese Entwicklung
liegen im Wesentlichen in einem gesellschaftlichen Wandel, bei dem verschiedene
Einflussfaktoren zusammenwirken, die das Phänomen Anti-Aging ausgelöst
haben und auch in Zukunft weiterhin rechtfertigen werden.
a) Überalterung
der Gesellschaft und ihre Auswirkungen

Bevölkerungsanteil
der über 65Jährigen in den führenden Industrienationen
(Quelle: UN (1996))
Dank der medizinischen Fortschritte
hat heutzutage jeder Mensch die Chance, so alt wie nie zuvor zu werden.
In den vergangenen 100 Jahren hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung
fast verdoppelt. Ein Mensch, der 2050 in einem der G7-Staaten geboren
wird, kann mit einer Lebenszeit von 82,9 (USA) bis 90,9 Jahren rechnen.
Besonders in den Hauptmärkten Nordamerika, Westeuropa und Japan
bewirken eine beständig steigende Lebenserwartung (siehe Abb.)
und eine abnehmende Geburtenrate eine tief greifende Umschichtung der
Alterspyramide zu Gunsten der älteren und zu Ungunsten der jüngeren
Generation. Im Jahr 2010 wird jeder dritte Deutsche über 50 Jahre
alt sein, 2040 bereits jeder zweite.
Da sich die heutige ältere
Generation aber wesentlich jünger fühlt als sie tatsächlich
ist und eine deutlich höhere Aktivität und Vitalität
als die Vorgängergenerationen zeigt, kommt dem Alter in der Gesellschaft
eine neue Bedeutung zu. Das Lebensgefühl der Älteren gleicht
sich in immer mehr Bereichen dem der Jüngeren an, so dass das gefühlte
Alter im Verhältnis zum chronologischen Alter eine immer wichtigere
Rolle spielt. "Alt sein" wird nicht mehr festgelegt durch das Erreichen
eines bestimmten Lebensalters, sondern vielmehr durch bestimmte Ausschlusskriterien,
wie Einsamkeit, Abhängigkeit, abnehmende Leistungsfähigkeit
und Krankheit.
Aufgrund des Trends zu einer Verjüngung
in Mentalität, Lebensstil und sozialen Verhaltensweisen in der
heutigen demographisch alternden Gesellschaft besteht eine steigende
Nachfrage nach Hilfsmitteln, mit denen man das Lebensgefühl mit
der äußeren Erscheinung in Einklang zu bringen kann. Anti-Aging
bietet hier die Möglichkeit, zu verhindern, dass sich der jugendliche
Geist in einem zu alten Körper gefangen fühlt. Da nicht ein
langes "Alt sein", sondern ein langes "Jung bleiben" erstrebenswert
ist, erlebt Anti-Aging gerade durch diese Entwicklung einen Aufschwung.
b) Die gesellschaftliche
Bedeutung von jugendlicher Schönheit
In der heutigen Gesellschaft spielt
die Optik eine immer größere Rolle egal, ob schöne
Verpackung oder durchgestyltes Outfit. Mit Hilfe der Attraktivitätsforschung
wurde herausgefunden, dass gutaussehende Menschen für intelligenter
und sympathischer gehalten und sogar mit milderen Gerichtsurteilen bedacht
werden. Auch im Berufsleben bekommen körperlich attraktive Menschen
ein höheres Gehalt, haben bessere Aufstiegschancen und werden als
Kooperationspartner bevorzugt, wie eine Studie der "London School of
Economics" herausfand. Schönes, jugendliches Aussehen ist vielfach
gleichbedeutend mit gesellschaftlicher Macht, und wer für seine
Schönheit leidet, wird privat und beruflich dafür belohnt.
Selbstwertgefühle und Erfolgskriterien
werden also zunehmend abhängig vom Körper. Kosmetik, Wellness-Industrie
und Medizin helfen dabei, das körperliche Idealbild zu erreichen.
Auch der Boom von Fitnessstudios zeigt, dass die Arbeit am Aussehen
und am körperlichen Wohlbefinden selbstverständlicher Bestandteil
eines aktiven Lebensstils geworden ist "Körpertuning" heißt
das neue Zauberwort. Das verstärkte Körperbewusstsein und
die neue Lust am Schönsein können einerseits bei gesunder
Ernährung und viel Sport sehr positive Auswirkungen auf
Körper und Gesundheit haben. Andererseits gab es noch nie so viele
Menschen, die ihr gesamtes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl
so stark von Äußerlichkeiten abhängig machen. Heutzutage
leiden 30 % der Frauen zwischen 20 und 29 Jahren unter dem hohen Anspruch
der Gesellschaft an Schönheit.
Generell werden Jugend, Attraktivität
und Vitalität in der Gesellschaft hochstilisiert. Nachlassende
Schönheit und abnehmende Lebenskraft gelten allgemein als negative
Eigenschaften. Durch Medien, Werbung und bestimmte gesellschaftliche
Gruppen wird gerade Frauen eingeredet, dass sie nur begehrenswert sind
und geachtet werden, wenn sie jung und schön sind. Anti-Aging und
der Glaube an seine Wirkung ist deshalb in der heutigen, sehr auf Äußerlichkeiten
fixierten Gesellschaft das Hilfsmittel, in das viele ihre Hoffnung setzen.
c) Weibliche
Motive für Schönheitspflege
Zahlreiche Studien
geben Aufschluss darüber, dass Anti-Aging zu einem immer ausschlaggebenderen
Motiv für die Schönheitspflege wird. Eine Umfrage der Zeitschrift
"Brigitte", an der sich 35.000 Leserinnen beteiligten, zeigt, dass Schönheit
für 63 % der befragten Frauen eine wichtige oder sehr wichtige
Rolle spielt. 70 % der Befragten finden es in Ordnung, sich der Hilfsmittel,
die Kosmetik und Mode bieten, zu bedienen, um jünger auszusehen.
Auch auf europäischem
Niveau bestätigen sich diese Eindrücke, wie die Ergebnisse
des "Womens Beauty Care Survey 2000" zeigen. Demnach achten 31
% aller befragten Frauen auf ihr Äußeres, um jung auszusehen.
63 % denken, dass die Art und Weise, in der sie heute auf sich und ihr
Äußeres achten, einen Einfluss darauf haben wird, wie sie
in 10 Jahren aussehen werden. Für 38 % der Befragten ist der frühzeitige
Kampf gegen die Zeichen der Zeit eines der Hauptanliegen der Pflege
ihrer äußeren Erscheinung.
Aus der Studie "Beauty
Life" des Rheingold Instituts in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift
"Brigitte" geht hervor, dass Frauen bei der Schönheitspflege generell
unterschiedliche Sehnsüchte, Motive und Strategien haben, die auch
ihre Vorstellungen von Schönheit und ihr Einkaufsverhalten bei
Kosmetika bestimmen. Im Zusammenhang mit Anti-Aging sind hier besonders
zwei Motive von Relevanz, die das Institut als "Schöpfungs-Wahn"
und "Neutralisierungs-Wut" bezeichnet.
Der "Schöpfungs-Wahn"
treibt Frauen an, die sich ständig selbst "neu erschaffen" und
nicht mehr mit ihren körperlichen Unzulänglichkeiten abfinden
wollen. Die Schicksalsgläubigkeit in die eigene Veranlagung oder
körperliche Veränderungen durch den Alterungsprozess werden
von ihnen nicht mehr akzeptiert alles ist möglich, und es
gibt keine Grenzen! Wirkungsvolle Schönheitspflege und kosmetische
Chirurgie sind hier geeignete Hilfsmittel, um immer wieder nach Lust
und Laune in neue Hüllen zu schlüpfen. Mit steigendem Alter
drückt sich der Schöpfungs-Wahn zusätzlich auch in einer
"Konservierungs-Not" aus. Viele ältere, aber zunehmend auch jüngere
Frauen sind darum bemüht, ihr Aussehen zu erhalten bzw. dem Alter
zu trotzen.
Hinter dem Motiv
der "Neutralisierungs-Wut" steht der Wunsch, den Spuren von Alter und
Alltag zu widerstehen und sichtbare Konsequenzen der Lebensführung
ungeschehen zu machen. Auf diese Weise möchten sich die Frauen
alle Optionen der eigenen Entwicklung offen halten, um sich nicht auf
ein bestimmtes Bild festlegen zu lassen. Die Schönheitspflege ist
in diesem Zusammenhang besonders geprägt durch z. T. akribische
Vorbeugungsmaßnahmen gegen den körperlichen Abnutzungsprozess.
C. ANSAETZE
ZUR BEGRIFSSKLAERUNG DES SCHLAGWORTS ANTI-AGING
Die Grundlage bilden
zwei wesentliche, aufeinander aufbauende Betrachtungsweisen von Anti-Aging,
die im Folgenden näher erläutert werden sollen.
a) Anti-Aging als ganzheitliches
Konzept
Das ganzheitliche Konzept steht
für den ursprünglichen Anti-Aging-Kern, dessen grundlegende
Idee zunächst einmal nichts damit zu tun hat, die Zeit anzuhalten
und ewig jung zu bleiben. Das ganzheitliche Anti-Aging-Konzept bezeichnet
vielmehr eine Lebensführung, die gegen den natürlichen Abbau
des Alterungsprozesses angeht. Nach dem ganzheitlichen Konzept können
unter Anti-Aging alle Maßnahmen zusammengefasst werden, mit denen
menschliche Alterungsprozesse verzögert, aufgehalten oder sogar
wieder rückgängig gemacht werden können. Das ganzheitliche
Anti-Aging-Konzept hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur die Lebenserwartung,
sondern auch die Lebensqualität bis ins hohe Alter hin zu erhöhen.
b) Ganzheitliches Anti-Aging-Konzept
Die Methoden des ganzheitlichen
Anti-Aging-Konzepts ruhen auf drei Säulen: der körperlichen,
der psychischen und der mentalen. Das körperliche Anti-Aging umfasst
eine ausgewogene, gesunde Ernährung, Bewegung und die Pflege der
Haut. Auch eine Gewichtskontrolle sowie der Verzicht auf Nikotin und
extremes Sonnenbaden gehören zu diesem Bereich. Als psychische
Jungmacher wirken Methoden zur Stressbewältigung und Tiefenentspannung.
Zudem sind Spaß am Leben, eine optimistische Grundeinstellung
und positives Denken echte Jugendelixiere für die Psyche. Die dritte
Säule des Anti-Aging bildet mentale Aktivität, die nicht nur
Gehirnjogging oder gezieltes Gedächtnistraining, sondern auch persönliche
und fachliche Fort- und Weiterbildung einschließt. In Kombination
mit Wissensdurst und Spaß am Lernen hält mentale Aktivität
geistig fit, stärkt das Selbstwertgefühl und sorgt für
eine ausgeglichene und ruhige Ausstrahlung. Durch ein optimales Management
von physischem, psychischem und mentalem Leben kann der Körper
in die Lage versetzt werden, mögliche Erkrankungen selbst zu bewältigen.
c) Anti-Aging
als medizinisches Fachgebiet
Da die Anti-Aging-Medizin
auf das ganzheitliche Anti-Aging-Konzept aufbaut, liegt ihr Geheimnis
nicht in einer Wunderkur oder einer "Anti-Aging-Pille". Ergänzend
zu den Ernährungs- und Lifestyle-Maßnahmen des ganzheitlichen
Konzepts werden zusätzlich bestehende Mangelerscheinungen und genetische
Fehlsteuerungen gemessen und gezielt durch Zuführung von Mineralien,
Vitaminen, Enzymen und Aminosäuren, bei Bedarf auch von Hormonen,
ausgeglichen. Auf diese Weise ist der Körper wieder in der Lage,
seine Funktionen wahrzunehmen und geschädigte Zellen zu reparieren.
Anti-Aging als medizinisches
Fachgebiet wurde von amerikanischen Wissenschaftlern ins Leben gerufen,
die von der Fragestellung ausgingen, wie man das Altern diagnostizieren
könnte, wenn man es nicht als natürlichen Prozess, sondern
als Erkrankung betrachte. Schwindende Körperkräfte, das äußerliche
Sichtbarwerden der Zeichen der Zeit und mangelnde Vitalität im
Alter werden somit von der Anti-Aging-Medizin nicht nur als behandelbar,
sondern vor allem als vermeidbar angesehen.
Im Gegensatz zur
klassischen Medizin bemüht sich nun die Anti-Aging-Medizin, nicht
nur restaurativ, sondern bereits präventiv gegen die Alterung als
Ursache von chronischen Erkrankungen vorzugehen. Der Blick richtet sich
also zusätzlich auf die zugrunde liegenden Ursachen dieser Beschwerden,
die eng mit den Alterungsprozessen verknüpft sind. Das Ziel der
Anti-Aging-Medizin ist es, durch die frühe Erkennung und Vorbeugung
altersbezogener Veränderungen die geistige und körperliche
Unabhängigkeit, Leistungsfähigkeit und Vitalität zu erhalten.
Durch die Verlängerung der krankheitsfreien Lebensspanne kann eine
optimale Lebensqualität auch im Alter sichergestellt werden.
D. THEMENBEHAMDLUNG IN
DER PRAXIS: EXPERTENMEINUNGEN
Im Rahmen einer
Expertenbefragung im Zeitraum von Oktober bis November 2002 wurden gezielt
Ansprechpartner gesucht, die sich bei ihrer Arbeit in international
tätigen Werbeagenturen, Brand Management (hier: verschiedene Nivea
Submarken), Frauenzeitschriften oder Trendagenturen bereits intensiver
mit Anti-Aging i. w. S. auseinandergesetzt haben. Die befragten Experten
stehen dabei nicht repräsentativ für ihre Branchen, sondern
spiegeln vielmehr die Vielfalt unterschiedlicher Sichtweisen und Meinungen
wider, die selbst bei Vertretern aus ähnlichen Tätigkeitsfeldern
klar zum Vorschein kommt.
Die Ergebnisse der
Befragung wurden bei der Auswertung auf sechs größere Bereiche
verdichtet. Nach einem Vergleich der unterschiedlichen Definitionen
wird auf die kritische Auseinandersetzung mit Anti-Aging als Schlagwort
und als gesellschaftliches Phänomen eingegangen. Aufbauend auf
die Learnings der Experten im Hinblick auf ihre Arbeit mit Anti-Aging
und die verwandten Themenbereiche und Trends folgt abschließend
die Darstellung der prognostizierten Entwicklungstendenzen von Anti-Aging.
a) Definitionen
von Anti-Aging aus Expertensicht
- In der Spannbreite zwischen "Verzögerung
der natürlichen Alterung", und "Erhalten der Jugend und Attraktivität"
finden sich fast alle Expertenansichten wieder.
- Mehrheitlich wird Anti-Aging
im Sinne des ganzheitlichen Konzeptes gesehen.
- Während Kosmetikhersteller
und Werbefachleute eher die körperlichen Ursachen und Auswirkungen
von Anti-Aging betrachten, beschäftigen sich die Trend- und Zukunftsforscher
vorwiegend mit Anti-Aging als gesellschaftlichem Phänomen (d.
h. negative Auswirkungen des Anti-Aging-Booms auf Einstellungen zum
Altern und zur alternden Bevölkerung)
- Definitionen der Experten stellen
eher subjektive, auf die Aktualität bezogene Bestandsaufnahmen
dar, da es sich bei Anti-Aging um einen noch nicht verankerten Begriff
handelt, der ebenso wie der ganze Themenbereich noch in der Entwicklungsphase
ist.
b) Auseinandersetzung mit dem
Schlagwort Anti-Aging
- Mehrheit der Experten akzeptiert
Anti-Aging als reinen Arbeitsbegriff oder verwendet das Schlagwort
in der Praxis als Projektnamen
- Positiv:
- Anti-Aging bringt auf den
Punkt, worum es geht (gegen das Altern vorgehen)
- treffender Ausdruck dafür,
gegen das Negative vorzugehen, das man normalerweise mit dem Alter
verbindet, z. B. abnehmende soziale Kontakte, Verlust der Unabhängigkeit,
Leistungsabfall und körperliche Gebrechen.
- Ausdruck dafür, wovon
Menschen von je her träumen und wonach sie streben
- Negativ:
- Ein viel zu mächtiges
Wort für die begrenzten Möglichkeiten; Wort geht viel
weiter als es heutige Mittel erlauben.
- "Anti" führt auf eine
falsche Fährte => Begriff als solcher impliziert Negatives
und löst beim Verbraucher, der im Normalfall über keine
Expertenkenntnis verfügt, keine positiven Assoziationen entsprechend
des ganzheitlichen Konzepts aus
- Vorgeschlagene Begriffsalternativen:
- "Slow Aging", "Pro Youth",
"Vital-Aging", "Better-Aging"
c)
Bewertung der Anti-Aging-Bewegung
Negativ:
- weckt den Irrglauben, es gäbe
heutzutage eine perfekte Gegenstrategie, mit der man alle Sünden
und Probleme, die das Ergebnis einer ungesunden, den Altersprozess
beschleunigenden Lebensweise sind, ungeschehen machen kann
- Trend zu "Doping gegen das
Altern" => Gefahr, im Streben nach mehr Leistungsfähigkeit
zu übertreiben (Hormon-Wunderpillen aus dem Internet etc.).
- nach außen gerichtetes
Anti-Aging, bei dem man sich selbst unter Druck setzt, um anderen
zu gefallen und einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen
- generelle Verunglimpfung des
Alterungsprozesses durch Anti-Aging
- das ständige Zeigen von
Jugend, Schönheit und Jugendlichkeit in den Werbung und Medien
impliziert, dass man sich nur begehrenswert und akzeptiert fühlen
kann, wenn man jung ist (Diskriminierung derer, die diese Normen nicht
erfüllen können oder wollen)
d) Learnings aus dem Umgang
mit Anti-Aging
Drei wesentliche Bereiche:
- Umgang im Privatleben
mit Anti-Aging als individuelle Vorsorgemaßnahme
- Anti-Aging schärft Bewusstsein
für einen Prozess, dem zwar keiner entkommt (älter werden),
den man aber hinauszögern kann, wenn man sich rechtzeitig und
vernünftig darauf einstellt
- lohnenswert, schon in jungen
Jahren ein weitsichtiges Bewusstsein für das eigene Älterwerden
zu entwickeln, indem man aktiv etwas für seinen Körper
zu tut, auf seine Gesundheit achtet und die Erkenntnisse der Anti-Aging-Forschung
sinnvoll für sich nutzt
- Umgang mit Anti-Aging
in der Gesellschaft und die daraus folgenden Konsequenzen
- gesellschaftlich nicht förderlich,
Anti-Aging-Maßnahmen zu unternehmen ("Alt" ist hässlich
und verachtenswert => Diskriminierung von Alten in Gesellschaft)
- beruflicher Umgang mit
Anti-Aging im Hinblick auf Ausschöpfung des Marktpotentials
- Anti-Aging-Markt hat keine
wirklichen Grenzen (immer wieder neue Produkte, z. B. Anti-Aging-Cleansing-Artikel,
Merz Anti-Aging-Dragees, kaum noch Altersgrenzen)
- große kulturelle Unterschiede
erschweren es, auf dem internationalen Anti-Aging-Markt mit einheitlicher
Kommunikationsstrategie zu operieren (sehr heterogenes Verständnis
bestimmter Schlüsselworte, unterschiedliche Einstellungen zu
Schönheitspflege)
- im Vordergrund bei der Kommunikation
im Anti-Aging-Markt: Glaubwürdigkeit, schnelle Wirkung und
deutlich sichtbares Ergebnis; zusätzlich notwendig: gewisser
uniquer magischer Faktor, der nicht nur Interesse, sondern auch
Illusionen der Konsumenten weckt
- Verzicht auf Anspielungen auf
konkrete Altersgruppen (für die Haut ab 50) empfehlenswert
=> Probleme altersunabhängig kommunizieren, da Altersgrenzen
immer mehr verschwimmen und es in jeder Altersgruppe zahlreiche
unterschiedliche Frauentypen mit stark voneinander abweichenden
Einstellungen gibt
e) Einflussbereich von
Anti-Aging - Verwandte Themenbereiche und Trends
Themenbereiche und Trends lassen
sich in vier Untergruppen einteilen:
- Biocomputer Body (in
Anlehnung an T. Bodrozic, "Trendata")
- Erwartungen, dass der Körper
so perfekt wie ein Computer funktioniert und eine formbare Masse
ist, die sich unabhängig vom Alter gestalten lässt; Hemmungen
ggüber künstlichen Eingriffen gehen zurück, da das
Ziel im Vordergrund steht
- Körper-Kultivierung
(in Anlehnung an T. Bodrozic, "Trendata")
- Individueller Selbstausdruck
findet stärker als früher über den eigenen Körper
als durch andere Statussymbole statt
- da der Körper Kapital
ist, steigt Bereitschaft, in dessen Pflege zu investieren: Interesse
an verschönernden Produkten in Kombination mit Fitness (Boom
von Fitnessstudios), Wellness und Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln
- Besinnung auf Besinnlichkeit
(in Anlehnung an T. Bodrozic, "Trendata")
- Gegenbewegung zu Anti-Aging,
Entspannung von Geist und Körper und Wellbeing (Wellness, Yoga
und Entspannung und gesunde Ernährung)
- bewusstere Lebensweise, unterstützt
durch "weiche" Methoden, "Schönheit von innen" Suche nach Authentizität
bzw. einem authentischem Lebensalter und Natürlichkeit
- Megatrend Reife (in
Anlehnung an Dr. A. Giger)
- klarer Gegentrend zu Anti-Aging
("Wie reife ich optimal?" statt "Wie bekämpfe ich mein Alter?")
= > Chancen und Potenziale der Überalterung der Bevölkerung
erkennen und nutzen
f) Zukunft von Anti-Aging
aus Expertensicht
- Ausweitung des Marktes
- Markt ohne Altersgrenzen, der
praktisch schon nach der Pubertät beginnt und keine Obergrenze
(heute ca. 65 Jahre) mehr hat
- langfristig positive Entwicklung
für Anti-Aging durch die Ausweitung auf neue Produktbereiche
(Anti-Aging-Food und nahrungsergänzungsmittel, Beauty
Food)
- Veränderung des
Produktangebots
- Ausgefeiltere Konzepte und
umfangreicheres Produktangebot
- Trend hin zu "Back to the Basics",
d. h. zu immer einfacheren Lösungen für komplizierte Probleme
- Aufsplitterung des Marktes
in kleine Nischen, in denen individualisierte Produktangebote gefordert
werden
- stärkere Aufspaltung des
Produktangebots in zwei Extreme:
- "Soft Aging"-Produkte, die
noch verstärkter auf sanfte Wirksamkeit und Natürlichkeit
setzten
- "No Aging"-Produkte, bei
denen es darum gehen werde, das chirurgisch Machbare so gut wie
möglich in Cremeform umzusetzen
- Verwässerung bzw.
Verallgemeinerung des Begriffs Anti-Aging und seine Folgen
- immer mehr Unternehmen können
problemlos auf den lukrativen Anti-Aging-Zug aufspringen und mit
"Forever-Young-Versprechen" gute Geschäfte machen
- Skepsis gegenüber "Me-too"-Produkten
ohne echte Wirksamkeit ist angebracht, da sich auch unseriöse
Hersteller mit sinnlosen Produkten am lukrativen Geschäft beteiligen
wollen
- Entwicklung von Gegentrends
jenseits des Jugendwahns
- Innere Werte und das Wissen
um optimale körperliche, geistige und seelische Reifungsprozesse
zählten wieder mehr als äußerer Schein.
- Entwicklung von Anti-Aging
zum Allgemeingut und selbstverständlichem Bestandteil des Alltags
- es wird immer weniger um "Hype"
und Selbstdarstellung in einem eher exotischen Teilmarkt gehen,
sondern vielmehr erfolgt eine stärkere Konzentration auf introvertierte
Werte
E. SEGMENTIERUNG DES ANTI-AGING-MARKTES
Der Markt für
Anti-Aging-Produkte hat gerade in den letzten Jahren enorme Dimensionen
angenommen ein Ende des Booms ist auch in Zukunft noch lange
nicht abzusehen. Durch den verstärkten Konkurrenzdruck, die zunehmende
Transparenz des Marktes, auch im Hinblick auf Inhaltsstoffe, und die
immer anspruchsvolleren Kunden, die genau auf sie abgestimmte Produkte
fordern, werden die Unternehmen gezwungen, ihre Angebote stärker
zu individualisieren. Um diesen riesigen Markt in der für das eigene
Unternehmen optimalsten Form bedienen zu können, ist eine effiziente
Markteinteilung und -bearbeitung gerade für das Marketing von Anti-Aging-Produkten
von besonderer Bedeutung.
Im
Hinblick auf die geeigneten Segmentierungsvariablen hat sich immer wieder
herauskristallisiert, dass es im Anti-Aging-Markt nicht in erster Linie
um das chronologische Alter, sondern um Einstellungen zum Alterungsprozess
und den davon abhängigen Umgang mit Hautproblemen geht. Eine rein
altersmäßige Eingrenzung von Zielgruppen ist gerade aufgrund
der immer jünger werdenden Mentalität der älteren Generationen
wenig sinnvoll. Die Konsumenten möchten nicht mehr von Unternehmen,
Medien oder Gesellschaft durch Schubladendenken in eine bestimmte altersbedingte
Rolle gedrängt werden. Nicht eine altersbegrenzte Zielgruppe, sondern
der einem Produkt zugesprochene Nutzen und seine Kompatibilität
mit den persönlichen Einstellungen und Bedürfnissen der Konsumenten
entscheiden über Erfolg oder Misserfolg eines Produktes.
Da jede Altersgruppe
in sich sehr heterogen ist und eine Vielzahl von unterschiedlichen Frauentypen
einschließt, ist ein kombinierter Segmentierungsansatz, der neben
soziodemographischen auch psychographische Kriterien zu Rate zieht,
am sinnvollsten.

Stufe
1: Unterteilung des Marktes nach der Art des "Age Managements" (in Anlehnung
an HTP Concept)
Unter der Art des
"Age Managements" ist die Einstellung zum Altern und den Umgang mit
den sichtbaren Zeichen des Alterungsprozesses zu verstehen. Diese Form
der Unterteilung des Anti-Aging-Marktes bietet die Möglichkeit,
eine weitgehend altersunabhängige Kategorisierung in bestimmte
Anti-Aging-Typen vorzunehmen. Konsumenten, die gemäß der
klassischen (altersbasierten) Markteinteilung unterschiedlichen Zielgruppen
angehören, können nach diesem psychographischen Segmentierungsansatz
starke Gemeinsamkeiten aufweisen.
Eine positive oder
negative Einstellung zum Altern hat wenig Einfluss darauf, ob man Anti-Aging-Produkte
kauft oder nicht, sondern vielmehr darauf, welche Art von Produkt bzw.
Marke man je nach erwartetem Ergebnis und persönlichen Ansprüchen
auswählt. Die Einstellung und das davon abhängige Involvement
geben nicht nur Hinweise im Hinblick auf das Kauf- und Konsumverhalten,
sondern auch auf die Art und Intensität des Medienverhaltens.
a) Age
Coping
- steht für klassische Bedeutung
des Begriffs Anti-Aging: gekennzeichnet durch positive Einstellung
zum Alter(n), das als biologischer und somit natürlicher Prozess
akzeptiert wird
- Ziel: aktiver Einsatz dafür,
so gut wie möglich auszusehen und unter Berücksichtigung
der körperlichen Gegebenheiten in der jeweiligen Lebensphase
das Beste aus sich herauszuholen (Einsatz von Maßnahmen im Sinne
des ganzheitlichen Konzepts)
- gewinnen jedem Lebensalter etwas
Positives ab und möchten ein ganzheitliches Wohlbefinden durch
den Einklang von Körper und Geist erlangen
- Produktinvolvement im Hinblick
auf Anti-Aging-Kosmetika zwar ausgeprägt, aber nicht überdurchschnittlich
=> suchen nicht unbedingt aktiv nach Informationen und nehmen sie
nur auf, wenn sie im dargestellten Sachverhalt relevant erscheinen.
b) Age
Control
- eher jüngere Frauen mit
aktivem Lebensstil
- erwarten vorwiegend einen effektiven
Schutz vor den negativen Effekten des urbanen Lebensstils
- Für sie ist es ein Kontrollverlust,
den Alterungsprozess nur tatenlos zu beobachten => werden besonders
aktiv, da sie ihren Körper und ihr Alter im Griff haben wollen.
- verlangen Produkte, die eine
stärkere und schnellere Kontrolle von Alterserscheinungen ermöglichen
als im Falle von "Age Coping"
- sehr hohe Leistungsfähigkeit,
jedoch nicht um jeden Preis, denn zumindest eine ausreichende Verträglichkeit
muss gewährleistet sein
- Produktinvolvement höher
als bei "Age Copern" => Kontrollgedanke birgt höheres Aktivierungspotential
für Aufnahme von Informationen über Wirkweise von neuen
Inhaltsstoffen.
c) Age Rejection
- sehr zukunftsorientierte Konsumenten,
die den Alterungsprozess nicht akzeptieren oder sogar negieren wollen
=> sind bestrebt, selbst entscheiden zu können, wie alt sie
sind
- Selbstwertgefühl ist hier
extrem stark abhängig von der äußeren Erscheinung
- Ziel: die Zeit anhalten, am liebsten
biologische Uhr zurückdrehen und auf diese Weise den Traum von
ewiger Jugend und Schönheit verwirklichen
- jedes Mittel ist ihnen recht
(auch künstliche Eingriffe, wie Hormonbehandlungen, Botox-Injektionen
oder Face-Lifts) => nehmen selbst Schmerz in Kauf und greifen tief
ins Portemonnaie, solange deutlich sicht- und fühlbare Ergebnisse
erzielt werden.
- Überdurchschnittliches Produktinvolvement,
Bereitschaft zu wesentlich höheren Investitionen in Kosmetik
und Körperpflege
Stufe 2: Spezielles
Eingehen auf Bedürfnisse größerer Altersgruppen (je
nach Marketing- Budget)
Innerhalb dieser
Gruppen von Anti-Aging-Typen bietet sich dann noch die Möglichkeit
konkreter auf einzelne große Altersgruppen einzugehen. Der Pre-Aging-Bereich
wendet sich in erster Linie an Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. Die
Zielgruppe Anti-Aging i. e. S. umfasst in erster Linie die Altersgruppe
zwischen 35 und Ende 40. Die Zielgruppe 50plus umfasst die höheren
Altergruppen bis ca. 65 70 Jahren, wobei sich die Grenzen in
den nächsten Jahren noch nach oben verschieben werden.
F: FAZIT
Wie sich gezeigt
hat, vereint der Themenbereich Anti-Aging im Kern die tiefsten und grundlegendsten
Träume, Wünsche, Sorgen und Ängste der Konsumenten. Daraus
resultieren wiederum individuelle Bedürfnisse, die weit über
die körperliche Ebene hinausgehen. Gerade die psychische Ebene,
auf der eine Vielzahl von Faktoren zusammenspielt, ist im Anti-Aging-Markt
von Bedeutung - die Angst vor dem Tod, der Traum von ewiger Jugend und
Schönheit sowie die Lust am Körperkult spielen ebenso eine
Rolle wie der Wunsch nach einer höheren Lebensqualität im
Alter sowie die grundlegenden emotionalen Bedürfnisse Glück
und Zufriedenheit. Diese übergreifenden, heimlichen, unbewussten
Bilder, Wunschvorstellungen und Ideale nicht berücksichtigt werden,
die jetzt die Alltagskultur und damit das Konsumverhalten bestimmen,
müssen bei der Produktkonzeption berücksichtigt werden.
Aus der Erkenntnis
der Wichtigkeit von psychischen Konsumentenbedürfnissen resultiert
die Einsicht, dass der Wert eines Anti-Aging-Produkts über die
eigentliche Sachleistung hinausgeht und mit starken Emotionen verbunden
ist. Die eigentliche Wirkung muss folglich nicht in erster Linie darin
liegen, tatsächlich um Jahre jünger aussehen zu lassen, sondern
die Konsumenten zufrieden und glücklich zu machen. Die Illusionen
und Hoffnungen der Konsumenten bei der Anwendung haben eine wichtige
Auswirkung auf die Wahrnehmung des Endergebnisses. Tatsache ist, dass
z. B. eine Creme keinen Face Lift ersetzen und somit auch aus einem
faltigen Gesicht kein glattes machen kann. Durch ihren Placeboeffekt
leistet sie aber einen unverzichtbaren Beitrag zum liebevollen Selbstbetrug
und damit auch zum persönlichen Wohlbefinden und Selbstwertgefühl.
Häufig wollen die Verbraucher häufig gar nicht vernünftig
sein, wenn es um ihr Aussehen geht stattdessen möchten sie
sich etwas Gutes tun, sich belohnen und in ihren Hoffnungen bestärken.
Jeder Anti-Aging-Typ hat andere Prioritäten, allen ist jedoch gemeinsam,
dass sie sich nach Anwendung des Produktes zufrieden und auf ihre individuell
definierte Art wohlfühlen möchten.
Abschließend
ist kritisch zu bemerken, dass gerade die Zielgruppe der "Age Rejecter",
die ein eher "ungesundes" Verhältnis zum Alterungsprozess haben,
sich selbst unter starken Druck von außen setzen lassen und nach
einem Idealbild streben, aus Herstellersicht eine sehr attraktive Zielgruppe
sind. Vielfach beschert gerade die panische Angst dieser Frauen vor
dem Älterwerden die höchsten Umsätze. Aufgrund des hohen
Involvements und Budgets für Kosmetik dieser Zielgruppe werden
folglich viele Unternehmen daran interessiert sein, diese durch extremen
Schönheitswahn und Körperkult geprägte Haltung auch weiterhin
zu fördern oder gar zu verstärken.
Kerstin Heydecker
(Kontakt: kheydecker@yahoo.de)
Quellen:
A) Bücher
Blum, E.
/ Möller, Ch. (2002) Brigitte Jünger und schöner
aussehen. Die besten Tipps zu Pflege, Fitness und Ernährung. Mosaik-Verlag,
S. 128 und Vorwort
Härtl-Kasulke,
Claudia (1998) Marketing für Zielgruppen ab 50. Kommunikationsstrategien
für 50plus und Senioren.Neuwied u.a: Luchterhand, S. 28
Heller, Silke/ (2001)
Jung bleiben. Das Anti-Aging-Handbuch. Waldmann,
Werner Köln: DuMont, S. 6 f
Schneider,
Regine (2001) Wir haben noch viel vor - Frauen um die Fünfzig.
3. Aufl. Frankfurt: Fischer, S. 131, S. 142 f
Vossebein,
Ulrich (2000) Grundlegende Bedeutung der Marktsegmentierung
für das Marketing. in: Pepels, Werner (Hrsg.) (2000): Marktsegmentierung.
Marktnischen finden und besetzen. Heidelberg: Sauer, S. 26
Strunz, Dr.
med Ulrich (1999) Forever Young. Das Erfolgsprogramm. München:
Gräfe und Unzer Verlag, S. 7
B) Zeitschriften
und Zeitungen
Disch, Wolfgang
K. A. (2000) "Senioren-Marketing- ein Thema mausert
sich". in: Marketing Journal 01/2000, S. 46 f.
Hoberg, Christina (2002)
"Forever young - Das Geheimnis der Jugend". in: Beiersdorf Journal
Nr. 244, Juni 2002, S. 6 f.
Köhle,
Anne-Bärbel (2002) "Die neue Lust am Schönsein". in:
Wellfit, Nov. 2002, S. 74
Kramer R./Möller,
C./ (2002) "Forever young?" Thor-Wiedemann,
S. in: Brigitte Nr. 18, 21.08.2002
Schenk, Prof.
Dr. Michael (2000) "Zielgruppe 50plus. Wie die Alten jünger
werden. Medien- und Konsumverhalten einer beweglichen
Generation". in: Jahrbuch der Absatz- und Verbrauchsforschung, Nr.
4, S. 396
C) Studien
und Marktforschungsdaten
Giger, Dr.
Andreas (2002) Megatrend Reife. Business Chancen in der älteren
Gesellschaft, Kelkheim, S. 32
Grey Strategic
Planning (1998) Master Consumer. Warum ignoriert das Marketing
die reichste Generation aller Zeiten?, Düsseldorf, S. 6
HTP Concept (2002)
Trend-E-Motion 2002, München, S. 112
IHA Gfm International
(2001) Europanel Beauty Care. Women's Beauty
Research
Center Care Survey 2000, Hergiswill (CH), S. 20 f.
Rheingold
Institut/ (2000) Beauty Life, o. O., S. 17 - 67
"Brigitte"
Wippermann,
Dr. Peter (2001) Home-Base Körper. Mit Körpertuning
und Professional
Wellness auf der Suche nach dem Glück,
Hamburg, s. 28 - 33
D) Internetquellen
Bergmann,
Jensm"Die
Vernünftige"
http://www.brandeins.de/magazin/archiv/2001/ausgabe_06/schwerpunkt/artikel2.html
(Stand: 30.10.2002)
Ehrenstein,
Claudia
"Altern
ist keine Krankheit"
http://www.welt.de/daten/2000/11/09/1109wges201359.htx?search=Senioren
(Stand: 30.05.2002)
Fischer,
Prof. Dr. Volker
"Time
is on my side. Schönheit als Wille und Vorstellung"
http://www.media.brigitte.de/news/einleitung/fischer/proffischer.html#
(Stand: 20.10.2002)
Hoerner,
Katrin/Koskowski, Heidrun
"Gesichtspflege.
Strategien für schöne Haut"
http://www.focus.de/D/DG/DGC08/DGC08B/dgc08b.htm
(Stand: 20.09.2002)
Me2 Institut
"Was
ist Anti-Aging Medizin?"
http://www.me2-muenster.de/framesAA.htm
(Stand: 20.09.2002)
Shiseido
"Successful
Aging"
http://www.shiseido.co.jp/e/e9706suc/html/suc3s060.htm
(Stand: 02.11.2002)
o. A.
http://www.alessandro.de/news.htm
(Stand: 05.09.2002)
o. A.
http://www.anti-aging-med.de/DE/frame.htm
(Stand. 20.10.2002)
D) Interviews
und Fragebögen
Experten
aus dem International Brand Management verschiedener Nivea Submarken,
bei Werbeagenturen, Trendagenturen, Zukunftsforschern und Kosmetikredaktionen
großer deutscher Frauenzeitschriften.
F) Sonstiges
ANTIAGINGNEWS
INC. (2001) "Länger leben - später altern.
Anti-Aging"
(Faltblatt) o. O.
Bolz, Prof.
Norbert (2000) Vortrag "Die Wiederkehr des Körpers" oder
"Kosmetik als Manifestation der Oberfläche von virtuellen Räumen"
In: Dokumentation Brigitte Beauty Forum 2000
Eucerin (2002)
Zeitschriftenbeilage: Beauty Extra Anti-Age Hamburg