REIFE.CH

Sommer 2003

Editorial: Bunte Reifung

Das Reifen einer Idee

Leidenschaftliches Reifen

Anti-Aging: Forever Young ?!

Reife und das liebe Geld

Reifen: Leben und Sterben

Reifes Lernen und Lehren

Zufriedenheit in reiferen Jahren

Reifes Kurzfutter

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Reifende Einsichten

Reife als Ressource (Auszug aus "Reife macht Sinn")

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Rückblick auf REIFE.CH vom Frühling 03

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Eine Standortbestimmung für Menschen ab 50 Jahren an der EB Zürich, Berufschule für Weiterbildung:

Marmor, Stein und Eisen bricht, aber meine Träume nicht

Ich spüre noch viel Energie und Wünsche in mir. Vieles ist gelebt, einiges ist abgeschlossen — es hat wieder Raum für Neues. Durch das Verstehen der eigenen Biografie und der Begegnung mit anderen Lebensentwürfen will ich meinen roten Faden finden und weitergehen. Werthaltungen, Lebensstil und Zielsetzungen verändern sich mit den Jahren. Ich halte inne, überprüfe meine Lebensgestaltung und entwickle berufliche sowie ausserberufliche Perspektiven.

2 Samstage und 5 Dienstagabende ab dem 30.8.03., Kosten Fr. 355.--,

Kursleitung Ruth Anner, Silvia Silberschmidt

Auskunft und Anmeldung: EB Zürich, Kantonsschulstr. 3, 8090 Zürich, Telefon 01 267 80 40

www.eb-zuerich.ch


Tagung 13. September 2003

Generationenbrücke

Die Tagung 03 des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins SGF und der Kinderlobby Schweiz in Lenzburg widmet sich dem Thema "Alt und Jung": Sie soll aufzeigen, wie Beziehungen zwischen Kindern/Jugendlichen und Seniorinnen/Senioren ausserhalb der Familie aufgebaut werden und was gemeinsame positive Erlebnisse bewirken können.

Konflikte und Unverständnis zwischen den Generationen kommen immer wieder vor, häufiger ist aber gegenseitige Gleichgültigkeit. Die Lebensfelder der Jungen kreuzen sich wenig mit denen der Pensionierten. Einerseits gehen dadurch wichtige und wertvolle Erfahrungen verloren, andererseits kommen im Problemfall schnell Aggressionen auf. Diskussionen um die Verwendung der Erträge aus den Goldreserven, um Mitbestimmungsrechte oder die Zuteilung von öffentlichen Geldern zeigen dies klar.

Auf die Tagungsteilnehmenden warten Anregungen und Gedanken sowohl von Kindern/Jugendlichen wie von Seniorinnen/Senioren. Zudem wird eine Palette von Projekten samt praktischen Umsetzungstipps vorgestellt, in denen jüngere und ältere Menschen einander begegnen, voneinander profitieren, einander unterstützen.

Grundsätzliche richtet sich die Tagung an alle Interessierten sowie speziell an Animatorinnen/Animatoren, Politiker/innen, Lehrkräfte, Vertreter/innen aus Organisationen oder Gemeinden, welche vielleicht selber ein Projekt an die Hand nehmen möchten.

Brücken haben Verbindungsfunktion. Sind sie erst einmal gebaut, müssen sie betreten werden, damit ein Austausch in Gang kommt. Genau dies soll der Samstag, 13. September 2003 ermöglichen.

Weitere Infos und Tagungsunterlagen:
Tagung "Generationenbrücke", Kinderlobby Schweiz, Postfach 416, 5600 Lenzburg
T 062 888 01 88, info@kinderlobby.ch, www.sgf.ch oder www.kinderlobby.ch


Wer spricht denn da noch von Pensionierung?

Der Ratgeber "Fit für die Pensionierung" neu aufgelegt

Retirement auf Französisch oder Englisch besagt so etwas wie Rückzug, sich abmelden in den Ruhestand. Und wer wollte dies denn heute noch? Ruhen und rosten?

Natürlich haben viele genug von all den Dingen im Geschäftstreiben, welche uns das Leben versauern: ständige Neuorganisationen, Firmenzusammenschlüsse, Hektik und was da der beunruhigenden Treibereien noch mehr sind. Jedoch, wer dann mal keine Arbeit mehr hat, z.B. weil er erwerbslos wird oder eben nach einer Frühpensionierung oder einer Nichtmehr-Normal-Verabschiedung vom "wirklichen" Leben mit 63/65, der oder die wird vielleicht feststellen, dass Arbeit gar nicht so ohne ist. Nur eben Arbeit in einem viel weiteren Sinne, als wir diesen Begriff normalerweise verwenden. Nennen wir es Tätigsein.

Vom Gestalten dieses Tätigseins auch nach der Verabschiedung von der regulären Anstellung lesen Sie im eben neu aufgelegten Buch "Fit für die Pensionierung" im Verlag Beobachter, Zürich. Dieser von vielen Stellen empfohlene Ratgeber ist dann am nützlichsten für den "dritten Lebensraum", wenn Sie ihn frühzeitig zur Hand nehmen. Gerade was die Gestaltung des Tätigseins in den späteren Berufsjahren oder nach der Pensionierung (wir haben noch keinen neuen Begriff dafür) anbetrifft, aber auch Fragen der Finanzen, der Gesundheit, des Wohnens etc. wollen ja nicht erst fünf Minuten vor dem Eintritt der neuen Lebenssituation angeschaut, geplant und vorbereitet werden. Mit Lust und Spannung lesen Sie die Gedanken und Ratschläge der sechs Profis, welche je ihr Gebiet aus langjähriger Praxis kennen. Geniessen Sie einfach das, was Sie jetzt anspringt aus der breiten Themenpalette und überlegen Sie sich, was Sie jetzt — nicht morgen — unternehmen wollen zur Vorbereitung auf eine Zeit, welche manche als die schönste Zeit ihres Leben nennen. Viel Spass dabei wünscht Ihnen einer der Autoren:

Peter Kessler


Ein deutsches Magazin für ältere Menschen

Lenz erscheint monatlich in der Senior Publications Deutschland GmbH & Co.KG

Mehr unter www.lenzmagazin.de


Zum Kind reifen

Wie schreibt Fridolin Herzog vom Reife-Team so schön: "Manchmal entdeckt man, dass auch was nicht mehr der letzte Schrei ist, sondern schon vor Jahrzehnten auf den Markt gebracht wurde, heute noch brandaktuell ist. Das Buch jedenfalls ist absolut spannend und faszinierend zu lesen."

Um dieses Buch geht es:

Ashley Montagu: Zum Kind reifen. Klett-Cotta (Reihe "Greif-Bücher"), 1991

Ein Leitsatz daraus:

Das Ziel des Lebens besteht darin, jung zu sterben - und zwar so spät wie möglich.

Und hier eine ebenfalls bereits zehn Jahre alte Besprechung seiner Ideen:

Neotenie: Einfach nicht alt werden

Der britische Anthropologe Ashley Montagu hat über 50 Bücher geschrieben, und heute, im Alter von 88 Jahren, formuliert er ein Rezept gegen das psychische und körperliche Altern, das er aus eigenen Erfahrungen und aus wissenschaftlichen Beobachtungen ableitet: Der Schlüssel zu einem langen, gesunden und kreativen Leben heißt Neotenie. Dieser Begriff bezeichnet in der Biologie die Übernahme oder Verlängerung von kindlichen oder jugendlichen Merkmalen in das Erwachsenenalter, oder auch das Nicht-Ausgereiftsein bestimmter Organe. Montagu erweitert diesen Begriff jedoch psychologisch - für ihn bedeutet Neotenie vor allem das Beibehalten kindlicher Eigenschaften wie Neugier, Flexibilität, Offenheit, Spontanität und Lebensfreude. Wenn es uns gelingt, diese Eigenschaften, die uns als Kinder auszeichnen, in das Erwachsenenleben hinüber zu retten und zu bewahren, bleiben wir sowohl physisch wie auch emotional gesund und fit.

Die anthropologische Grundlage für das Neotenie-Konzept beruht auf der Beobachtung, daß die verhältnismäßig lange Lebensspanne des Menschen im Vergleich zu anderen Arten vor allem durch die besonders lange Kindheit und späte physische Reifung zu erklären ist. Im Laufe der Evolution hat sich der menschliche Reifungsprozeß immer mehr verlangsamt und verlängert, mit der Folge, daß sich das menschliche Gehirn besonders gut entwickeln konnte. Erst zwischen 15 und 20 Jahren werden Menschen erwachsen, unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen dagegen erreichen diese Reife bereits im Alter von 10 bis 11 Jahren und sterben schon mit 30.

Montagu geht davon aus, daß wir durch die willentliche Beibehaltung bestimmter Verhaltensweisen aus dieser Reifungsphase unsere Lebensspannc ausdehnen können. Indem wir in bestimmter Weise kindlich und jugendlich bleiben, verlangsamen wir das Altern. Umgekehrt gilt, daß wir unsere Lebensspanne verkürzen, wenn wir uns "vorzeitig" erwachsen verhalten - beispielsweise indem wir bestimmte Konsumgewohnheiten annehmen (Rauchen, Trinken, Streß und Ehrgeiz). Der Altersforscher JamesF. Fries von der Stanford Unversity bekräftigt diese These: "Wenn wir uns eine bestimmte Begeisterungsfähigkeit erhalten, uns immer wieder neue Lebensziele setzen, enthusiastisch bleiben, verlängern wir unser Leben. Solche Gewohnheiten entwickeln sich wie guter Wein - wenn wir sie früh pflegen und entwickeln, können wir sie noch Jahrzehnte später genießen". Und sein Kollege, der Gerontologe Richard Cutler meint: "Wir wissen seit Jahrhunderten, daß bestimmte Geisteszustände und Langlebigkeit einander bedingen. Diese Erkenntnis wurde jedoch von der Medizin immer wieder sträflich vernachlässigt. Aber nun müssen wir erkennen, daß überhaupt nichts Lächerliches daran ist.

Ist psychische Neotenie - also die Fähigkeit, sich kindliche Eigenschaften und Verhaltensweisen auch im Alter zu bewahren - genetisch programmiert? Einige Forscher glauben, daß der willentlichen Aufrechterhaltung solcher Züge enge biologische Grenzen gesetzt sind. Montagu ist dagegen überzeugt davon, daß sich Neotenie auch in späteren Lebensjahrzehnten entwickeln läßt. Die wichtigste aller "kindlichen" Eigenschaften kann von jedem Menschen gepflegt und gefördert werden - das Potential zu lernen und sich selbst immer wieder neu zu erfinden.

Nur allzu oft jedoch verhindert Angst, "kindisch" und "unreif" zu wirken, das Ausleben dieser Eigenschaften. Wir haben gelernt, uns altersgemäß zu verhalten und jeden Anschein von Unreife, Albernheit oder Verspieltheit zu vermeiden. Wir machen uns buchstäblich selbst alt, und unser Körper reagiert auf diese Psychosklerose, indem er mitaltert.

(Aus PSYCHOLOGIE HEUTE, 1993)