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Winter 2003

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Greisenkabinett oder Reife Regierung ?

Persönliche Bemerkungen von Andreas Giger

Steht die Schweiz nach der Bundesratswahl vom 10. Dezember 2003 vor einer "Gerontokratie", vor einer Herrschaft der Greise ? Demnächst wird das Durchschnittsalter unserer Regierung über 60 Jahre betragen. Das muss keine schlechte Nachricht sein.

Dass sich die Frauen in diesem neuen Bundesrat nur ungenügend wiederfinden, ist mehr als verständlich. Wie aber steht es mit den Klagen über das zu hohe Durchchnittsalter unseres höchsten Staatsgremiums (aktuell rund 59Jahre) ?

Nun, zunächst lag das Wahlgremium damit voll im Trend. Wie titelte doch neulich die SonntagsZeitung ? Und plötzlich sehen die Jungen wieder ganz alt aus. (Ausschnitte hier.) In Spitzenpositionen zählt jugendlicher Leichtsinn nicht mehr viel, Erfahrung ist angesagt. Warum also nicht auch im Bundesrat ?

Im Parlament, vor allem im Nationalrat, sollten sicher alle Altersgruppen angemessen vertreten sein. Auch wenn es einige Junge geschafft haben, sind sie noch immer untervertreten, was übrigens auch für die wirklich Alten gilt. Wer aber sagt, dass auch im Bundesrat dieselben Regeln gelten sollen ?

Dort sollte doch wohl vor allem Kompetenz zählen - und dazu gehört nun mal das durch Arbeit und Leben gewonnene Erfahrungswissen. Und, wenn es gut geht, auch eine gehörige Portion persönlicher Reife.

Nun wissen wir alle, dass mehr Jahre auf dem Buckel nicht automatisch mehr Reife bedeuten. Ich masse mir nicht an, den Reifegrad aller Bundesräte zu berteilen, gehe aber grundsätzlich davon aus, dass jeder Mensch das Recht und die Möglichkeit hat, jederzeit weiter zu reifen - warum nicht auch in einem hohen Amt ?

Dasselbe gilt natürlich auch für das Kollegium. Ob der neue Bundesrat das Zeug hat, zur reifen Regierung zu reifen, wird sich weisen. Zu wünschen wäre es, denn eine reife Regierung ist eine ebenso attraktive und bestechende Vision wie die Schweiz als reifes Land. (Mehr dazu hier.)

Wenn ich das nicht ganz falsch sehe, wird der Vergleich zwischen Vision und Realität beim Bundesrat ähnlich ausfallen wie bei der reifen Schweiz: Hochgradig wünschbar, aber wir sind noch meilenweit davon entfernt. Was immerhin, für das Land und seine Regierung, Grund genug sein könnte und sollte, die ersten Schritte zu wagen.