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Winter 2003

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ET´s Reifungs-Impulse

Neue Texte, geschrieben und gesammelt von Edmond Tondeur

Wenn ich einst alt bin...


Das Vorbild für untenstehendes Gedicht...


Wenn ich einst alt bin ...

Wenn ich einst alt bin
trage ich Mohnrot
weil ich das Brennen nicht missen möchte
in meinen Gliedern
in meinem Herz
Einen grossen Hut
der weit auslädt
und das Gesicht anmutig verschattet
Ich werde stolz sein
wenn die Leute hinter mir tuscheln:

Da geht die verrückte Alte mit ihrem Hut
Vieles werde ich nicht mehr machen

Zuhören zum Beispiel
wenn ich nicht mag
oder bleiben wenn es mich langweilt
nicht mehr fächeln
mit höflichen Floskeln
sondern sagen wie es mir ist
Vieles aber
will ich noch tun
Rutschbahn fahren mit meinem Enkel
rumpurzeln im Heu
und lachen dazu

Leute ansprechen
im Tram auf der Strasse
die mir gefallen und fragen
wie geht’s?

Zeit mir nehmen für einen Schwatz
im Blumenladen die Ansicht
der Gärtnerin kennen lernen
über Jahreszeiten und Sträusse
Reisen
ein Weingut suchen im Herz der Toskana
weil mir das Etikett auf der Flasche gefiel

An die Nordsee fahren
weil ich Sehnsucht habe
nach grauen Stränden und frischem Wind

Was mir so einfällt
ein Nachtspaziergang
Düften folgen
und fliegen lassen Bänder im Wind

Unbekümmert und barfuss
lauf ich ins Grab

Elisabeth Schlumpf

Aus: Wenn ich einst alt bin ... Kösel Verlag 2003.


1) Wieviel Leben haben Sie noch "zugute" ? (ET)

2) Ins Gelingen verliebt sein, nichts ins Scheitern ! (ET)

3) Reifen zwischen Reden und Schweigen (ET)

4) Wenn wir schweigen... (Herta Müller)

5) Zwischen den Polen von Alt und Neu (Susan Sontag)

6) Wenn ich einst alt bin... (Elisabeth Schlumpf)

7) Allmählich begreifen wir, was Leben ist ... reifen ! (Marcel Geisser)

8) Adieu, sagte der Fuchs (Antoine de Saint-Exupéry)