REIFE.CH

Winter 2003

Editorial: Reifes Nichtwissen


AKTUELLE BEITRÄGE

ET´s Reifungs-Impulse

Reife Lebensqualität

Reifende Wirtschaft

Gedanken zur Sterbebegleitung

So könen Sie REIFE.CH fördern


RUBRIKEN

Neu: Forschungsthema Alter

Reifes Kurzfutter

Reife Offline-Links

Reife Online-Links

Reifende Einsichten


WEITERHIN:

Rückblick auf REIFE.CH vom Frühling, Sommer und Herbst 03

REIFE.CH CLASSIC

Impressum


 

Reifende Wirtschaft

Arbeitswut im Ruhestand



In den USA arbeiten immer mehr Menschen über das Rentenalter hinaus - meistens aus Geldnot

Man trifft sie in den Nationalparks oder an den Informationsschaltern der Museen. Grauhaarige Damen und Herren, die jeden mit einem freundlichen ,,Can I help you?" begrüssen und Ratschläge für die besten Wanderrouten oder Ausstellungsführungen parat haben. Sie nennen sich " volunteers", denn sie erledigen diese Arbeit freiwillig und ehrenamtlich. Viele kulturelle Einrichtungen in den USA sind auf sie angewiesen, und für die eifrigen Senioren wiederum ist es erfüllender, Zeit und Arbeitskraft einer gesellschaftlich nützlichen Tätigkeit zur widmen als Golf zu spielen oder Töpferkurse zu besuchen.

Glaubt man einer Umfrage der American Association of Retired Persons (AARP), des grössten Ruheständlerverbands in den USA, wird sich in den folgenden Jahren eine zweite Gruppe aktiver Rentner dazu gesellen. Sie werden ihren Lebensabend ebenfalls mit Arbeit füllen, allerdings eher unfreiwillig und gegen Bezahlung. Denn sie schieben ihren Renteneintritt nicht aus Freude an der Arbeit hinaus, sondern weil sie weiterhin auf ein Einkommen angewiesen sind.

Die AARP hat mehr als 2000 Personen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren interviewt. Demnach planen sieben von zehn Amerikanern, über das übliche Rentenalter von 65 Jahren hinaus zu arbeiten. 45 Prozent der Befragten wollen bis in ihre Siebziger arbeiten, 18 Prozent sogar über das achtzigste Lebensjahr hinaus. Geld spielt dabei die entscheidende Rolle: Die Mehrheit, nämlich 22 Prozent derjenigen, die kurz vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben stehen, und 35 Prozent der Ruheständler, gaben für ihren verlängerten Arbeitseifer finanzielle Motive an. Andere Begründungen - wie etwa der Wunsch, geistig aktiv zu bleiben oder sich nützlich und produktiv zu fühlen - landeten weit abgeschlagen auf dem zweiten oder dritten Platz.

Steigende Gesundheitskosten, unzureichende Renten und verlustreiche Pensionsfonds zwangen die Senioren dazu, weiter Geld zu verdienen, sagt der Forschungsdirektor der Ruheständlervereinigung, Jeff Love. ,,Wir hatten bisher noch nie mit Leuten zu tun, die bis zu ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag arbeiten wollen."

Nach den neuesten Regierungsstatistiken gehen fast fünf Millionen der über 65-jahrigen Amerikaner einer Beschäftigung nach. Das ist eine Steigerung um acht Prozent seit März 2001. Ein Grund für die unfreiwillige Arbeitswut der Senioren liegt darin, dass Unternehmen ihre Rentenfonds umgeschichtet haben - von sicheren festverzinslichen Staatspapieren zu risikoreicheren Unternehmensanleihen und Aktien. ,,Neue Ruhestandsmodelle legen das Risiko in die Hände der Arbeitnehmer", erklärt Gary Burtless, Rentenexperte der Brookings Institution, eines grossen Think Tanks in Washington. Ausserdem bedeuteten das Platzen der Dotcom-Blase und diverse Unternehmenspleiten in den letzten Jahren für so manchen amerikanischen Angestellten auch das Ende vom Traum eines sicheren und ruhigen Lebensabends.

Allerdings scheint ihr Alter die Befragten nicht vor Unternehmungslust zu schützen: Ein Drittel der angehenden Rentner plant, in einen ganz anderen Beruf zu wechseln. Sechs Prozent der fleissigen Senioren wollen sogar ihr eigenes Unternehmen gründen.

Viola Schenz in der Süddeutschen Zeitung


Die einzelnen Beiträge zur reifenden Wirtschaft:

1) Zwischen Best-Agern und Senioren: eine notwendige Differenzierung (Elke Verheugen)

2) Wirtschaft wozu ? Abschied vom Mangel. Über ein Buch von Hans Jecklin und Martina Köhler

3) Plädyer für ein reifes Marketing (Andreas Giger)

4) Die graue Zielgruppe (aus der Münchner Abendzeitung)

5) LifeDesigning: für den Beruf und das Leben (Peter Kessler)

6) Arbeitswut im Ruhestand (aus der Süddeutschen Zeitung)