Die späte
Lust am Lernen Lernen bis ins hohe Alter

In der Kindheit und Jugend fliegt uns
das Wissen buchstäblich zu. Eine neue Sprache lernen wir nebenbei,
Zehnjährige bedienen spielend einen Computer.
Die Reaktionszeit bei Kindern ist unübertrefflich
kurz. Doch Studien zeigen, schon ab etwa dem 20. Lebensjahr lässt
die Reaktionszeit deutlich nach.
Ältere Menschen müssen neues
Wissen mit mehr Ausdauer erwerben. Die Grammatikregeln einer neuen
Sprache erfassen sie nicht so schnell und intuitiv wie die Jüngeren.
Alles geht also etwas langsamer.
Entscheidend aber ist: Bei allen Aufgaben,
bei denen das Konzentrationsvermögen die entscheidende Rolle
spielt, übertreffen ältere Teilnehmer die jüngeren.
Das hat ein Test am Institut für
Arbeitsphysiologie der Universität Dortmund in beeindruckender
Weise gezeigt. Wir verlieren im Laufe des Lebens also an Schnelligkeit,
machen dies aber durch gute Ausdauer und Konzentrationsvermögen
mehr als wett.
Geistig fit im Alter - hier drei wichtige
Tipps:
Bieten Sie Ihrem Gehirn Abwechslung
im Alltag.
Eine abwechslungsreiche, interessante
und anregende Umwelt regt das Gehirn zu verstärkter Aktivität
an. Wochenendausflüge in unbekannte Regionen, Museumsbesuche
oder Stadtbesichtigungen sind gute Trainingseinheiten für das
Gehirn.
Nicht träge sein.
Durch Inaktivität kann unser Geist
wie ein Muskel regelrecht schlaff werden. Ein Urlaub,
in dem vor allem Schlafen, Essen und Faulenzen angesagt sind, tut
dem Hirn nicht gut. Wenn wir unser Gehirn nicht intensiv "benutzen",
bilden sich die nicht genutzten Verbindungen zwischen den Nervenzellen
zurück.
Stellen Sie eine persönliche
emotionale Beziehung zum Lernstoff her.
Lernen Sie chinesische Schriftzeichen,
wenn sie Ihnen gefallen. Studieren Sie die Kultur und die Sprache
des Urlaubslandes, in das Sie reisen wollen.
Lernen folgt nämlich der Regel
des Forschers Donald Hebb:
"Neurons, that fire together,
wire together", d.h. nur Nervenzellen, die gleichzeitig erregt
werden, bilden miteinander Kontaktstellen aus. Unabhängig vom
Lebensalter gilt, dass die Lust auf geistige Aktivitäten und
die Fähigkeit dazu auch maßgeblich von der Ernährung
beeinflusst werden.
Um optimal geistig arbeiten zu können,
sollte man leichte, vitamin- und kohlenhydratreiche Kost zu sich
nehmen, und zwar in mehreren kleineren Mahlzeiten. Aus den Kohlenhydraten
gewinnt der Organismus Glukose, das neben Sauerstoff ein wichtiger
Energielieferant für das Gehirn ist.
Auch der Wasserhaushalt muss stimmen.
Mindestens 1,5 l Flüssigkeit am Tag am besten in Form
von Mineralwasser, Leitungswasser, Fruchtsaft oder Früchtetees.
Wer zu wenig trinkt, kann nicht optimal lernen und denken.

Weitere Tipps, wie Sie Ihre grauen Zellen
auf Trab halten
Aktivieren Sie Ihre "Netzwerke"
Lesen Sie jeden Tag. Anspruchsvolle Bücher oder Artikel. Markieren
Sie wichtige Passagen mit einem Leuchtstift. Dann erzählen
Sie sich selbst, worum es in dem Text geht. Denn wenn Sie das neue
Wissen noch einmal verarbeiten, wird es an mehreren Stellen im Kopf
vernetzt abgelegt.
Trainieren Sie Ihr bildhaftes
Gedächtnis
Schreiben Sie. Denn damit wecken Sie Ihr bildhaftes Gedächtnis.
Geistig fit durch zuhören
Kreativ zuhören indem Sie sich interessante Vorträge
oder Hörbücher anhören. Das Hören fordert andere
Nervenzellen als das Lesen. Und es geht darum, alle Bereiche Ihres
Gehirns zu fordern.
Flexibel durch Diskussionen
Diskutieren Sie. Im Gespräch müssen
Sie Ihre Einstellungen immer wieder überdenken und Sie bekommen
Einblick in andere Denk-Welten.
Bewegung hilft denken
Gehen Sie auch beim Lernen. Gehen steigert die Durchblutung
und damit die Sauerstoffversorgung der Gehirnzellen. Außerdem
"färbt" das Gehen auf willkommene Weise auf das Denken
ab. Wie das funktioniert, weiß man nicht. Aber vorgemacht
haben es schon der altgriechische Philosoph Aristoteles und seine
Schüler, die sich demnach auch die Peripatetiker die
Herumwandler nannten.
Kreativ stellen Sie Ihre
Welt auf den Kopf
Schreiben Sie doch mal mit der linken
Hand (Linkshänder mit der rechten).
Putzen Sie die Zähne mit der ungewohnten
anderen Hand.
Machen Sie mit Absicht mal einen bisher
unbekannten Umweg.
Probieren Sie einmal "Auf-dem-Kopf-Lesen"
aus, indem sie ein Buch umgekehrt halten.
Trainieren Sie Ihren Gehörsinn:
Das Radio stufenweise leiser stellen, bis Sie sich voll konzentrieren
müssen, um noch etwas zu verstehen.
Peter Schipek
www.lernwelt.at
