Editorial: Die Reifung von REIFE.CH

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Reifes Kurzfutter (Frühling 2003)


Japans Bevölkerung altert schneller als die anderer moderner Industrienationen, und das Sozialsystem des Landes ist mit der steigenden Zahl von Pflegebedürftigen völlig überfordert. Mit lokalen Tauschbörsen für Sozialarbeit helfen sich die Menschen stattdessen untereinander und haben damit ganz nebenbei eine eigene Währung geschaffen.


Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur. (Max Frisch)


Die Senioren sind die Wachstumsgruppe schlechthin. 50+ wird die stärkste Konsumentengruppe. Mehr als 398 Milliarden € befinden sich bereits heute in der Hand der über 60jährigen. Aber: Die Senioren wollen nicht als Alte angesprochen werden. Produkte und Services müssen altersgerecht sein, aber Jugendlichkeit versprechen.



Die Reiseindustrie kümmert sich zu wenig um die Menschen über 45. Dies klagen Experten in der Studie "Tourismus im Umbruch". Die Zukunftsgruppe werde weitgehend vernachlässigt. Dabei stelle die "Generation 45-plus" in den nächsten 20 Jahren den grössten Anteil an Reisenden. Sie habe vergleichsweise viel Geld, Zeit und Reiseerfahrung. Mittlerweile seien die "Best-Ager" die tragende Gruppe des privaten Reiseverkehrs.


Es gibt keine Medikamente, die Alterungsprozesse aufhalten können, so das ernüchternde Resultat mehrerer Altersforscher.


Phyllis Porter, 82-jährige ehemalige Krankenschwester aus Lynnfield (Massachusetts) hat sich liften lassen: "Ich bin über 80, sehe jetzt aus wie Anfang 60 und fühle mich Mitte 40." Wohl bekomms...


Frauen haben in der Schweiz eine durchschnittlich um sechs Jahre längere Lebenserwartung als Männer. Wie kommt es dazu ? Die Stiftung Pro Senectute suchte Antwort auf die Frage, wie gut Männer altern können. Der Soziologe und Altersforscher François Höpflinger hat eine Studie erstellt, die nun vorliegt. Bezug für Fr. 15.- bei pro Senectute Schweiz (Tel: 01 / 283 89 89), Mail: verlag@pro-senectute.ch


Savoir-vivre heisst nicht, den Tod so lange wie möglich hinauszuschieben. Dies zeigt eine Studie des International Longevity Centre in London. Es befragte je 800 Amerikaner und Franzosen, was sie vom Altern halten. Zwei Drittel der Franzosen ziehen ein kurzes, dafür schmerzloses Leben einem langen Leben mit Altersbeschwerden vor. Derselbe Anteil der Amerikaner will leben, so lange es geht.


"Ich mache mir lieber ein schönes Leben statt immer nur zu sparen" charakterisiert für knapp die Hälfte der Über-Fünfzigjährigen ihr Konsumverhalten - mit steigender Tendenz. Entgegen allen Klischees handelt es sich dabei nicht nur um die Jüngeren der 50plus. Die hedonistische Haltung verteilt sich fast gleichmässig über alle Altersgruppen bis hin zu den Über-Siebzigjährigen. Mit dem Trend, sich einmal etwas zu gönnen, vollzieht sich ein Werteandel im "Grey Market". Dies ergab die jüngste Studie der GfK Marktforschung, in der über 1800 Personen im Alter von 50 bis 79 befragt wurden. Mehr Infos unter www.gfk.de


Daphne Selfe: Das Model, 73, in der aktuellen Dolce-&-Gabana-Kampagne


Die älteren Konsumenten (50+) zeigen ungebrochene Kauflust im Bekleidungsmarkt. Und sie sind ein starkes Segment. Rund 40% des Gesamtmarktes werden von ihnen bestritten. Das Marktwachstum der letzten Jahre haben sie überproportional beeinflusst.


Der sanfte Jazz von Norah Jones, 23, Gewinnerin von fünf Grammy-Musikpreisen, spricht vor allem ältere Käufer an, eine riesige Guppe von Hörern, die von der Musikindustrie vergessen und für irrelevant erklärt wurden. Eine Gruppe, die laut dem amerikanischen Verband der Musikindustrie immerhin ein Viertel des gesamten CD-Umsatzes ausmacht. Zudem wächst keine andere Käuferschicht so stark wie die der über 45-Jährigen.


Die meisten Werbekonzepter, Mediaplaner und Produkteentwickler sind selbst jung, orientieren sich vorwiegend an den eigenen Kreisen und können sich nicht in die Welt der Älteren hineinversetzen. "Was die Werbewirtschaft heute tut (50+ von der "werberelevanten Zielgruppe" auszuschliessen)", fasst es Michale Darkow, Geschäftsführer der GfK Fernsehforschung, deutlich wie noch nie zusammen, "ist volkswirtschaftlicher Unsinn".



Wo bleibt da die Lebenskunst ? Sie besteht darin, sich bewusst vom Leben prägen zu lassen, statt dies - ohnehin vergeblich - zu vermeiden. Dieses Geschehenlassen ist jedoch nicht nur Passivität: Wir können selbt wählen, mit welchen Menschen wir häufig Umgang pflegen, welche Begenungen wir suchen, um uns davon beeinflussen zu lassen. Wir können Situationen gezielt ansteuern, um Erfahrungen zu machen und uns gestalten zu lassen. So lassen wir das Leben arbeiten, und auf indirekte Weise werden wir nun doch noch zu Bildhauern unserer selbst und gestalten unser Gesicht auf verschwiegene Weise, ohne Schminke oder Schönheitschirurgie. Viele wollen von der Verantwortung für diese Arbeit nichts wissen. Aber wäre es nicht reizvoll, sich für das eigene Gesicht ein wenig verantwortlich zu fühlen ? Den "Rest" erledigt sowieso das Leben. (Wilhelm Schmid, Autor von "Schönes Leben ? Einführung in die Lebenskunst, Suhrkamp Verlag, 2000)


Hollywood-Schauspielerin Geena Davis hat kein Problem mit dem Alter: "Älter zu werden ist fantastisch. Je älter ich werde, desto glücklicher werde ich auch."