Kompetenzbeispiele
von Andreas Giger:
Reife
macht Sinn
Bilder
und Photographien von Andreas Giger - eine Vorschau
Titelblatt
und Rückseiten-Text:
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Die Idee von Reife ist genau das: eine allgemeine Richtungsangabe
für Entwicklungsprozesse. Reife ist das am Anfang noch verborgene
Potenzial, das sich im Laufe der persönlichen Evolution allmählich
ent-wickelt. Indem die Idee der Reifung eine befriedigende Antwort
auf die existenzielle Grundfrage "wohin gehe ich?" bietet
("hin zur Reife"), stiftet sie, nicht nur, aber vor
allem für die zweite Lebenshälfte, Identität: Ich
reife, also bin ich.
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Reife macht
Sinn

Texte und Photographien
von Andreas Giger
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Inhalt:
(01) Reifende Reifung
(02) Reife macht Sinn
(03) Jahrringe
(04) Fließmuster
(05) Reifende Beziehungen
(06) Reife als Ressource
(07) Ist Reife langweilig ?
(08) Reife als Jugendplus
(09) Vorbei !
(10) Abendrot
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(11) Wann beginnt Reifung ?
(12) Späte Freiheiten)
(13) Jenseits von Reife
(14) Eine reife Leistung
(15) Höhlengereift
(16) Achtung Bewusstseinserweiterung !
(17) On the road
(18) Spinnweben
(19) Reife als Attraktor
(20) Reine Reife
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Beispiel
für ein Kapitel:
Reifende Reifung

Unglaublich dicke Äste von
Eichen und Ulmen brennen im Kamin mit einer Leichtigkeit, als ob sie
ihr ganzes langes Leben lang auschließlich zu diesem Zweck herangereift
wären. Aus den Lautsprechern der mitgebrachten Musikanlage erklingen
seltsame Töne, so genannte Naturjodel aus der Ostschweiz, der Gegend,
in der ich lebe. Es sind langgezogene Klänge ohne Text, archaisch
anmutend und gleichzeitig vertraut, voll Melancholie über das harte
Leben in einer Gegend, in der nichts als Gras wächst, und zur selben
Zeit voll intensiver Lebensbejahung.
Sie gehört nicht hierher in
die Toskana, diese Musik, und doch erscheint sie mir, wie sie so über
diese Landschaft aus rollenden Hügeln schallt, wunderbar fremdartig
passend, ein Eindruck der von meinen Mitgästen geteilt wird, obwohl
sie diese Klänge vorher nie gehört hatten. Es sind reifere
Menschen, welche aus Erfahrung wissen, dass sich die in der Jugend starren
Maßstäbe dafür, was gute und passende Musik sei, aufweichen
und so den Raum für neue Musikerlebnisse öffnen können.
Meine Kaminlektüre ist ein
von mir selbst vor etwa zehn Jahren verfasstes Manuskript. Damals, ich
war rund vierzig Jahre alt, hatte ich ein Sachbuch mit dem Titel "Rundum
reif. Eine Vision des älter Werdens" ungefähr zur Hälfte
fertig geschrieben. Das Projekt kam ins Stocken und wurde schließlich
auf die Halde des irgendwann zu Recycelnden abgelegt.
Vielleicht habe ich damals die Antwort
eines Verlages, dem ich das Projekt angeboten hatte, doch ernster genommen,
als ich dachte: Ob es nicht ein bisschen arrogant sei, in meinem noch
ziemlich jugendlichen Alter über das älter Werden zu schreiben
? Und vielleicht habe ich auch einfach gespürt, dass das Thema
Reife noch nicht reif war. Jedenfalls habe ich das Manuskript für
etliche Jahre völlig vergessen.
Selbst als mich ganz andere berufliche
Pfade zu Projekten mit älteren Menschen und damit zum Thema Reife
geführt hatten, dauerte es eine ganze Weile, bis ich mich wieder
daran erinnerte. Und dann noch eine hübsche Zeit, bis ich mich
getraute, es wieder zu lesen.
So viele Erinnerungen wir im Laufe
eines langen Lebens ansammeln, so wenig vermögen sie uns ein präzises
Bild dessen zu vermitteln, was einstmals wirklich war. Das liegt zum
einen daran, dass wir uns unsere Erinnerungen laufend neu gestalten,
zum anderen aber auch, dass wir immer nur verdichtete Spuren haben,
nie die Erinnerung an die ganze Fülle des Gewesenen.
Wer viel schreibt, hat hier ein Privileg. Er oder sie
kann lesen, was vor vielen Jahren verfasst wurde, und erhält so
einen vertieften Einblick in die damalige Gedankenwelt. Das kann auch
ein bisschen nervös machen, es könnte ja schließlich
allerhand noch nicht Ausgegorenes auftauchen, mit dem man heute nicht
mehr so gerne in Verbindung gebracht würde...
In meinem Falle brauchte ich mich des damals Geschriebenen
nicht zu schämen. Es klang alles vernünftig und wohl formuliert,
auch wenn im Tonfall die Gärungsprozesse der mittleren Lebensjahre
spürbar waren und zu einer gewissen weit schweifenden Geschwätzigkeit
führten. Nichtsdestotrotz habe ich mir für einen Moment überlegt,
den vorhandenen ersten Teil sanft zu überarbeiten und darauf aufbauend
den zweiten zu schreiben.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich merkte, dass dieses
Vorhaben nicht wegen des Inhalts nicht allzu viel Sinn machen würde,
sondern wegen der Form, oder besser, wegen der fehlenden Übereinstimmung
von Thema und Form. Die klassische Form des Sachbuchs gibt nämlich
eine ganz bestimmte Art der Wahrnehmung und des Denkens vor: Man beginnt
ein solches Buch am Anfang und liest es Seite für Seite bis zum
Schluss durch, weil das, was jeweils folgt, auf dem bereits Gelesenen
aufbaut und dies weiter führt, Schritt für Schritt, manchmal
auf Umwegen, aber immer vorwärts.
Auf den ersten Blick sieht das aus wie die Beschreibung
eines idealen Reifungsprozesses: aus dem Vorhandenen heraus weiter entwickeln,
auf manchmal verschlungenen Pfaden, aber immer in allgemeiner Richtung
Reife vorwärts. Doch den abstrakten idealen Reifungsprozess gibt
es höchstens als statistische Summe vieler sehr individueller Reifungsprozesse.
In diesen individuellen Reifungsprozessen mag es gemeinsame
Elemente geben, doch diese treten in unterschiedlicher Reihenfolge und
in unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Es gibt kein gemeinsames
Drehbuch für Reifung, das schön Szene für Szene abgespult
werden kann. Die lineare Erzählung einer Reifung beschreibt immer
nur den Einzelfall und hat für die nicht direkt Betroffenen, also
für Sie, deshalb auch nur begrenzte Bedeutung als Impulsgeber für
die eigene Reifung.
Ergiebiger ist es, Reifung als einen Prozess mit vielen
Facetten zu betrachten, die man sich nicht in einer vorgegeben Reihenfolge
anschauen muss, sondern aus denen man auswählen kann, nach Lust
und Laune, nach dem Prinzip "was gerade am nächsten liegt,
kommt zuerst dran" oder auch nach dem puren Zufallsprinzip. Reife
Menschen sind anspruchsvoll, sie wollen sich ein eigenes Menü zusammenstellen
statt eine vorgeschriebene Speisefolge abzuessen.
Und sie wollen auch keinen Einheitsbrei aus Worten
und Sätzen, sondern in Lesepausen auch auf anderen Sinneskanälen
angesprochen werden, etwa dem Sehen von Bildern, die nicht der Illustration
des Textes dienen, mit diesem aber auf einer tieferen Ebene dennoch
in Beziehung stehen und so die eigenen weiterführenden Gedanken
zu Reife und Reifung anregen.
Die Zeit für Reife ist herangereift, meine eigenen
Gedanken und Bilder zu Reifung sind es auch. Fertig ausgereift werden
sie nie sein, aber vielleicht vermögen sie auch im jetzigen Reifestadium
Ihrem eigenen Reifungsprozess die eine oder andere so noch nicht gesehene
Bedeutung zu verleihen.
Zusammenfassung
der köstlichen "Lese-Schau" von Andreas Giger durch Edmond
Tondeur:
Anmerkung des "Zusammenfassers":
Dies ist keine Verdichtung, schon eher eine "Verdünnung"
des opus von Andreas, das ja in sich eine bild-textliche Verdichtung
ist. Für mich ist die Zusammenhang ein kognitives Hilfsmittel für
die bearbeitende Diskussion. Edmond Tondeur
Umschlagstext
Reife als Richtungsangabe für Entwicklungsprozesse. Reife ist
das am Anfang noch verborgene Potenzial, das sich im Laufe der persönlichen
Evolution allmählich ent-wickelt. "Wohin gehe ich?" "Hin
zur Reife" ... Ich reife, also bin ich.
Reifende Reifung
Es gibt nur individuelle Reifungsprozesse, kein allgemein gültiges
"Drehbuch für Reifung". Und diese Reifungsprozesse sind
weder linear noch verbal umfassend beschreibbar. Wir reifen mit allen
Sinnen, von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr.
Reife macht Sinn
Alle wollen alt werden (d.h. nicht sterben), doch niemand will alt
sein. Nun aber hat sich dies von der Lebenserwartung her
dramatisch geändert. Der Lebensabend hat sich in kürzester
Zeit enorm verlängert, bei voller Erhaltung des Lichts (Vitalität).
Die Wahrnehmungskategorie namens Alter ist unstimmig, ja
unbrauchbar geworden.
Leben bedeutet Wandel und Veränderung, eine Folge von Lebensphasen,
die je ihre eigene, besondere Qualität haben. Wir müssen nicht
nur älter werden wir können auch reifer werden. Gerade
darin könnte der Sinn des älter Werdens liegen. Dazu ist allerdings
Eigeninitiative gefragt.
Jahrringe
Bei Bäumen finden wir sie als Spuren der Zeit faszinierend, die
Falten am eigenen Leib jedoch sind uns zuwider. Falten waren schon einmal
sexy, und sie könnten es wieder werden. Schönheiten der Landschaften,
der Erosionen und Sedimentierungen. Auch der menschliche Körper
kann als Landschaft betrachtet werden. Der Zuwachs an Jahrringen kann
intensivierte Lebendigkeit bedeuten.
Fliessmuster
Je älter wir werden, desto länger wird die Strecke unseres
Lebensflusses, die wir überblicken können. Das ermöglicht
es uns, Muster, Sinn und Bedeutung nicht nur in einzelnen Ereignissen
zu erkennen, sondern im Fliessmuster des ganzen bisherigen Lebens.
Reifung bedeutet demnach auch die Fähigkeit zur Unterscheidung,
zur Differenzierung. Wir unterscheiden zwischen Fliessmustern, die unsere
ganz persönlichen sind, unseren Eigensinn ausmachen, und solchen,
die allen Menschen gemeinsam sind.
Wasser ist unablässig in Bewegung, muss es bleiben, um nicht faulig
zu werden. Und nie zeigt Wasser die gleichen Fliessmuster. Wellenreiten
wird zum zeitgemässen Bild für Lebenskunst
Kein Wassertropfen gleicht exakt dem anderen, jeder zeigt beim Trocken
seine nur für ihn charakteristischen Muster.
Reifende Beziehungen
Tempora mutantur, et nos mutamur in illis. Dies ist heute teils selbstverständlich,
teils der Skandal einer Epoche, die nur noch dem Wandel
zu frönen scheint, während wir zugleich nach Mustern und Zusammenhängen,
Sinn und Bedeutung dürsten.
Ich reife, also bin ich dies die Idee, evolutionäre Prozesse
hätten so etwas wie eine allgemeine Entwicklungsrichtung.
Bis hin zur Co-Evolution in Paarbeziehungen. Wobei Evolution in gewisser
Weise stets Co-Evolution ist, immer im Austausch mit andern, mit der
Umwelt geschieht.
Co-Evolution heisst Reifung durch Auseinandersetzung mit dem anderen.
In diesem Prozess reift auch die Beziehung.
Reife als Ressource
Von selbst ist Reife keine Kraftquelle; erst wenn wir ihr Sinn geben
und sie als innere Kraftquelle zulassen, beginnt sie als Ressource zu
wirken.
Reife bedeutet die Existenz eines vielfältigen Erfahrungswissens,
aus dem immer wieder gelernt wird..
Wissen bedeutet immer auch, Informationen in einen Kontext einordnen
zu können, ihnen Bedeutung zu geben. Dieses "interpretierende"
Wissen veraltet nicht, es wird vielschichtiger, reifer.
Reife ist nie der Zustand, in dem wir uns befinden, sondern immer der
Horizont, auf den wir uns zu bewegen.
Ist Reife langweilig?
Buddha war ein Mann in reiferen Jahren, als er seine Erleuchtung hatte
und sie mit anderen zu teilen begann. So kommt uns das Lächeln
des Buddha mit seiner Mischung aus vollkommener Distanz mit ebenso vollkommener
Güte vor wie der perfekte Ausdruck von Reife: Siddhartas stilles
Sitzen am Ufer des Flusses. Widerspricht dieses Bild der Vorstellung
von Vitalität in älteren Jahren, ist es gar "abgehoben"
und bewegungslos?
Frische ziemt sich für das Bier, Reife für den Wein!
Wahrscheinlich ist in den späteren Lebensphasen weniger los als
in den früheren. Doch kann gerade dieses Weniger an Quantität
ein Mehr an Qualität bedeuten. Reifung = Wachstum an Lebensqualität.
Reife als Jugendplus
Die Phantasie vom Jungbrunnen scheint tief in uns Menschen zu stecken,
und die heutige Schönheitsindustrie findet darin ihren Boden. Wer
sein Selbstbewusstsein davon abhängig macht, wie jugendlich er
aussieht, identifiziert sich im Uebermass mit seinem Körper.
"Mit der Reife wird man immer jünger" (Hermann Hesse)
meint etwas anderes, nämlich, dass manche in mittleren Jahren erloschene
junge Eigenschaft im Alter wieder verstärkt hervor tritt.
Vorbei!
Bei der Gestaltung unserer Erinnerungen sind wir (ein Stück weit)
autonom. Es braucht eine gewisse Reife, bis wir uns nicht mehr blindlings
mit den Erinnerungen identifizieren. Menschen, die Gefangene ihrer eigenen
Vergangenheit sind, reifen nicht. Sie erstarren in Ressentiments
und/oder Nostalgie.
Vorbei ist vorbei, nichts lässt sich wiederholen oder nachholen.
Darum heisst Reifung immer auch los lassen zu lernen. Nur dann öffnet
sich der Raum für Neues, für Kontinuität im stetigen
Wandel.
Abendrot
Farbqualität des Tageslichts am Morgen anders als am Abend.
Die wärmende Schönheit des Abendlichts, auch mit dem Wissen
um das nahende Dunkel der Nacht. So lange wir leben, erleben wir beides,
das Morgenrot wie das Abendrot.
Wann beginnt die Reifung?
Pablo Casals übte noch mit 90 Jahren täglich vier bis fünf
Stunden auf seinem Cello. Wozu er dies täte? Antwort: Weil ich
den Eindruck habe, ich mache Fortschritte.
Einen bestimmten Reifegrad können wir nur im Zeitvergleich erkennen.
Schon Zehnjährigen bedeuten wir: dafür bist du jetzt reif
genug. Reifung beginnt mit dem Anfang des Lebens und sie beginnt
jeden Tag neu. Stillstand und Rückschritte gehören dazu.
Reifung beginnt, wann Sie es wollen.
Späte Freiheiten
Frühe Freiheiten, späte Freiheiten. Die innere Freiheit zu
ihrem vollen Potenzial erblühen zu lassen, erfordert einen langen
Reifungsprozess. Je unabhängiger wir werden von den Urteilen
anderer wie von unseren eigenen desto mehr Raum eröffnet
sich für "Freiheit zu". "Freiheit von" macht
allein nicht den Sinn des Lebens aus. "Werde, der du bist"
"Erkenne dich selbst".
Je später der (Lebens-)Abend, desto tiefer die Freiheit.
Jenseits von Reife
Gerade jene Früchte, deren Reife uns am köstlichsten mundet,
sind auch die fragilsten. Reife als Idealzustand hat ein eng begrenztes
Haltbarkeitsdatum. Jenseits davon liegt Fäulnis.
Ob wir jenseits der für uns hienieden erreichbaren Reife noch
einmal Gelegenheit für einen Reifungsprozess bekommen, wissen wir
nicht. Nur eines ist gewiss: So lange ich reife, lebe ich und brauche
weder vor dem Tod Angst zu haben noch darüber nachzugrübeln,
was jenseits von Reife liegen mag.
Eine reife Leistung
Braucht es dafür Anstrengung, Fleiss? Oder geht Reifung auch "mühelos"?
Angesichts einer reifen Leistung spüren wir: das ist kein Zufallstreffer,
da steckt viel Uebung, viel Lernen dahinter.
Hinter jeder reifen Leistung steckt ein reifer Mensch, ein authentischer
Mensch.
Talent zur Reifung? Ja, im Sinne der Mischung aus eigener Leistung
und Gnade.
Höhlengereift
Reifung des Käses und des Weines erfolgt im Dunkeln. Gelungene
Reifung bedeutet nicht die Abschaffung der Dunkelheit, sondern einen
reifen Umgang damit. Alle Tugenden, die wir in dunklen Momenten brauchen,
können und müssen reifen. Höhlengereifte Menschen unterscheiden
sich von solchen, denen nie ein grösseres Ungemach zugestossen
ist.
Achtung Bewusstseinserweiterung!
Die Geschichte von Andreas: als Dreissigjähriger schrieb er "Bewusstseinserweiterung
macht Spass", als Vierzigjähriger entdeckte er den Begriff
der Reife und beides meint dasselbe. Wenn wir reifen, erweitern
wir stetig unsere inneren Räume. Wir entdecken, was Leben alles
bedeutet. Wir "erobern" nicht (mehr).
On the road
Fernweh durch Nahlust nicht zu ersetzen, aber zu ergänzen, könnte
ein reifer Umgang mit unserem Drang nach Mobilität sein. Das wäre
kein Verrat an unserem nomadischen Erbe.
Piccabia: Man muss Nomade sein, durch die Ideen und Gedanken reisen
wie durch Länder und Kontinente. Das tun wir schon, wenn wir von
"Lebenslauf" sprechen. Das Leben als Weg, als Reise, als Pilgerfahrt.
Unterwegs zu sein gehört zum Menschen (Jack Kerouac: On the road).
Spinnweben
"Altweibersommer", die dünnen, silbernen Fäden
als Haare alter Frauen.
Heute ist allüberall "Vernetzung" angesagt. Auch Netze
brauchen Reifungsprozesse.
Sympathische Spinner/innen. Fähigkeit zum Spinnen der Fäden
nimmt im älter Werden eher zu.
Reife als Attraktor
Anziehungspunkte. Gibt es die in unserem Lebenslauf? Auf unserem Lebensweg
haben wir öfter das Gefühl, von der Vergangenheit geschoben
als von der Zukunft angezogen zu werden. Was könnte in unserem
Leben die Rolle des Attraktors übernehmen? Was ist meine Lebensbestimmung?
Ist Reife ein Attraktor?
Reine Reife
Wir sehnen uns nach Perfektion, wie sie z.B. der Rauhreif hat. Umrundung
des Kailash als gutes Leitbild. Umrunden, nicht besteigen oder gar erobern.
Spirale als Entwicklungsmetapher. Gotthardlinie bei Wassen: dreimal
sehen wir die Kirche, immer wieder aus einem andern Blickwinkel.
Und: wir brauchen nicht immer daran zu "denken".
Vergessen Sie (zunächst) die Reife. Reifen Sie einfach.