Editorial:
Die Reifung von REIFE.CH - Vom Zettelkasten zum Magazin
Immer mehr Individuen
und Institutionen machen sich Gedanken darüber, wie der Prozess
des persönlichen und gesellschaftlichen älter Werdens sinnvoll
genutzt werden könnte. Damit wächst der Bedarf nach Wissen
rund um das Thema Reife und Reifung. Neu bietet Ihnen REIFE.CH viermal
jährlich sorgfältig ausgewählte und aktuelle Informationen
und Impulse zum Thema in Form eines Online-Magazins.

Was bleibt
Eine einfache Einsicht stand am
Anfang: Wir werden, als Einzelne wie als Gesellschaft, immer älter.
Mit den überkommenen Bildern vom himmeltraurigen Alter der Einzelnen
und von der bedrohlichen Überalterung der Gesellschaft werden wir
die damit verbundenen Herausforderungen nicht meistern und schon gar
nicht die darin schlummernden Chancen und Potenziale nutzen. Also brauchen
wir eine neue Sicht des älter Werdens.
Kristallisationskern dieser neuen
Sicht soll der Begriff der Reife werden, verstanden als ideales Fernziels
eines Prozesses der Reifung. Weil reifer Käse einfach besser schmeckt
als alter. Reife wird zum Symbol dafür, dass das älter Werden
auch seine unbestreitbaren Vorzüge hat - auf allen Ebenen.
Für diese in Zeiten eines grassierenden
Jugendlichkeitswahns zunächst kühne These wollte REIFE.CH
Belege sammeln und zugänglich machen. Das Internet bot sich dazu
als ideales Medium an. So entstand www.reife.ch als Plattform für
eine neue Sicht des älter Werdens.
Oder auch als Agentur für einen
Bewusstseinswandel, den meine Mit-Reifenden und ich für nötig
und sinnvoll halten, und zu dem wir mit geeigneten Impulsen Anstösse
geben wollen - als Angebot an alle, die selber bewusster reifen und
die dabei gewonnenen Einsichten auch auf die Ebene der Gemeinschaft
übertragen wollen. Daran wird sich nichts ändern.
Was neu wird
Am Anfang stand der Wunsch, möglichst
viel Material zur persönlichen wie zur gesellschaftlichen Reifung
zu sammeln und allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Die
Flut dieses Materials schwoll rasch an - untrügliches Zeichen dafür,
dass die These von den im älter Werden schlummernden Potenzialen
langsam, aber sicher akzeptiert wird. Die Idee, Reife als Ressource
zunächst zu denken und dann zu nutzen, setzt sich allmählich
durch.
Was nicht heisst, dass es für
diesen Bewusstseinswandel keine Impulse mehr bräuchte. Allerdings
nicht mehr in Form eines Zettelkastens, sondern als Magazin. Solange
es kaum Material zum Thema Reife und Reifung gab, war es sinnvoll, die
spärlichen Ausnahmen zu sammeln. Jetzt, da es wesentlich mehr Material
gibt, braucht es eine sinnvolle Auswahl, eine Bewertung und Gewichtung,
ein Setzen von Akzenten.
Obwohl es mittlerweile im Internet
ausreichend Informationsquellen gibt, um sich dort das ganze Weltwissen
zu holen, bevorzugen die meisten Menschen nach wie vor Zeitungen und
Zeitschriften. Sie schätzen deren Funktion als Schleusenwärter,
die aus dem unübersehbaren und chaotischen Informationsfluss jenes
Wissen heraus filtern, das relevant ist, und es in regelmässigen
Abständen für die Leserinnen und Leser attraktiv aufbereiten.
Genau das macht ein Magazin, und genau das haben wir mit REIFE.CH vor.
Weil mit der eigenen Reifung oft
auch das Erleben der Jahreszeiten intensiver und bewusster wird, halten
wir uns beim Erscheinungsrhythmus an sie. Dies hier ist die erste Ausgabe
im Frühling 2003. Die nächsten Ausgaben werden mit den Jahreszeiten
folgen, wenn auch ohne sklavischen Terminplan. Wenn Sie darüber
informiert werden möchten, wann eine neue Ausgabe aufgeschaltet
ist, können Sie sich am Schluss dieser Seite in eine Mailing-Liste
eintragen.
Den Zettelkasten zum Thema Reife
schliessen wir deswegen nicht. REIFE.CH CLASSIC
gibt es weiterhin als Archiv von REIFE.CH. Weil sich das ursprüngliche
Orientierungssystem angesichts der anschwellenden Materialflut als etwas
unübersichtlich erwiesen hat, werden wir die wichtigen Beiträge
aus dem Archiv in den nächsten Monaten sukkzessive einfacher erschliessen
und zugänglich machen.
Organischer Anfang
In dieser Ausgabe von REIFE.CH finden
Sie inhaltlich einen organischen Anfang, der in etwa deutlich macht,
wie wir uns das Magazin vorstellen können. Wie Sie hoffen wir darauf,
dass aus diesen Anfängen mit der Zeit (noch) mehr heran reift...
In jeder Ausgabe des Magazins möchten
wir künftig ein bis zwei grössere Artikel publizieren, die
sich mit einem speziellen Aspekt persönlicher und/oder gesellschaftlicher
Reifung beschäftigen. Dieses Mal sind es zwei: Wie sich die Indizien
dafür häufen, dass das tradierte Bild von Alter und Altern
sich langsam aufweicht und positiveren, reiferen Vorstellungen Platz
macht, zeigt der Beitrag "Reif wird sexy". Und ob wir in Zukunft
alle auch in späteren Jahren als bisher arbeiten müssen oder
dürfen, wird im Artikel "Die allmähliche Aufweichung
der Pensionierungsgrenze" erörtert.
Über den Bewusstseinswandel
in Sachen älter Werden möchten wir nicht nur berichten, sondern
ihn aktiv mitgestalten. Ein erstes Projekt mit dem Titel REI.CH befasst
sich mit der Idee der reifen Schweiz, die ja bereits im Namen REIFE.CH
mit drin steckt. Wie sähe das aus, ein reifes Land ? Und ist die
Schweiz schon ein solches, oder kann sie es noch werden ? "Reife
Schweiz - eine Vision in zehn Facetten" ist ein Anfang. Sie können
dazu beitragen, dass daraus mehr wird, indem Sie Ihre Bewertung dieser
Vision per Online-Umfrage abgeben. Jede Stimme macht die Kompetenz in
Sachen Reife Schweiz wertvoller - und dieses Wissen könnte sich
durchaus als exportfähig erweisen.
Wenn Sie es kürzer mögen,
finden Sie allerlei anregende oder amüsante Fundsachen zum Thema
unter dem Titel "Reifes Kurzfutter".
Fundsachen ausserhalb von REIFE.CH
werden uner den Rubriken "Offline-Links" und "Online-Links"
erschlossen.
Persönlich gefärbt sein
wird meine Kolumne "reifende Einsichten". Diesmal geht es
darum, wie die Idee eines "New Age Magazins" 17 Jahre brauchte,
um heran zu reifen...
Persönlich ist auch dieses
Angebot: Das Wissen rund um Reife und Reifung, das sich bei mir nicht
zuletzt dank der Arbeit an REIFE.CH akumuliert hat, kann man anzapfen.
in Form von Vorträgen, Publikationen, Beratungen. Mehr dazu hier.
Persönlich sind schliesslich
auch die Bilder und Texte meines Buchmanuskripts "Reife macht Sinn",
aus dem ich jeweils ein zur aktuellen Ausgabe passendes Kapitel, zugänglich
machen werde, dieses mal "Reife als Jugendplus".
Dass wir weiter selber reifen wollen,
versteht sich angesichts unseres Themas von selbst. Ebenso, dass die
weitere Reifung von REIFE.CH offen sein soll - offen für Sie und
Ihre Beiträge. Denn ohne Sie sind die Zukunftsperspektiven
der Plattform für eine neue Sicht des älter Werdens allzu
beschränkt. Deshalb rufen wir Sie auf zur Mitwirkung mit Wirkung.
Reifung ist ebenso ein sehr persönlicher
und invidueller wie auch ein gemeinsamer Prozess. Wir freuen uns auf
viele Reifungsschritte gemeinsam mit Ihnen.
Frühling 2003
Für das Reife-Team:
Andreas Giger
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