Die ausführliche Version der Vision REIFE SCHWEIZ liegt als Buch vor.
1. Leuchtturm in der Zukunft: Wozu die Schweiz Visionen braucht (siehe Leseprobe unten)
2. Aus alt mach reif: Wie Reife zum Attraktor wird
3. Vom Wert der Werte: Worum es in der Vision geht
4. DIE ZEHN WERTE DER REIFEN SCHWEIZ
4.1. Weiser Sinn
4.2. Nachhaltige Lebensqualität
4.3. Reife Erfahrung
4.4. Respektvolles Miteinander
4.5. Mediativer Ausgleich
4.6. Souveräne Gelassenheit
4.7. Gesundes Selbst-Bewusstsein
4.8. Standfeste Offenheit
4.9. Dankbare Zufriedenheit
4.10. Bejahte Evolution
5. Ave Matura Helvetia: Wie wir die Vision verwirklichen
1. LEUCHTTURM IN DER ZUKUNFT
Wozu die Schweiz Visionen braucht
Ein Land, das keine Vorstellung von seiner
Zukunft hat, hat keine Zukunft. In einer sich rasend schnell wandelnden Welt
genügt dabei die Vorstellung, es könne und solle alles einfach so weitergehen
wie bisher, nicht mehr. Und schon gar untauglich ist die Vorstellung, ein Land
könne in eine verklärte Vergangenheit zurück- kehren, die es so ohnehin nie
gab. Zukunft ist immer mehr als die Summe aus Vergangenheit und Gegenwart.
Das Problem mit der Zukunft ist natürlich,
dass sie weitgehend im Dunkeln liegt. Doch das ist zugleich unsere grosse
Chance. Weil die Zukunft noch offen vor uns liegt, können wir sie gestalten.
Um unseren Weg in Richtung morgen und
übermorgen zu erhellen, müssen wir allerdings zunächst Licht ins Dunkle der
Zukunft bringen. Wie ein Schiff, das in dunkler Nacht unterwegs ist, brauchen
wir Leuchttürme in der Zukunft.
Fragt sich nur: welche? Zwar sind
vermeintliche Leuchttürme reichlich im Angebot, doch es lohnt sich ein
kritischer Blick darauf.
Auf der einen Seite finden wir Utopien:
Jemand stellt sich eine ideale Welt vor und verkauft das dann als
Zukunftsentwurf. Einmal abgesehen davon, dass sich unterschiedliche Menschen
unterschiedliche ideale Welten vorstellen, was dazu führt, dass keine Utopie
nahtlos verwirklicht werden kann (es sei denn mit Gewalt), kranken alle Utopien
daran, dass sie keinerlei Realisierungschancen haben. Zu komplex ist nämlich
die Welt, um sie in ein ideales Schema zu pressen. Nicht ohne Grund bedeutet
Utopie denn auch wörtlich „kein Ort, nirgendwo“.
Das Gegenstück zu den Utopien bilden die
Prognosen: Dabei behaupten die so genannten Prognostiker, so würde die Zukunft,
und nicht anders. Prognosen allerdings kranken daran, dass die Zukunft
grundsätzlich nicht vorhersehbar ist. Das sehen wir bei den Wetter- und den
Wirtschaftsprognosen, die trotz riesigen Aufwands an Gehirn- und
Computerkapazität auf keinen grünen Zweig kommen. Zu Recht hat ein Spötter
schon vor langer Zeit formuliert: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie
die Zukunft betreffen...“
Das ist auch gut so. Denn wäre die Zukunft
tatsächlich vorhersehbar, würde uns das keinerlei Spielraum bei ihrer
Gestaltung übrig lassen. Zum Glück jedoch ist die Zukunft offen und kann von
uns mitgestaltet werden.
Dabei wird natürlich nicht alles nach
unseren Wünschen verlaufen. Manche Entwicklungsströme sind zu stark, um sie
aufhalten oder ablenken zu können. Doch es bleiben genügend Spielräume der Zukunftsgestaltung
offen, in denen unser aktives Engagement gefragt und wirkungsvoll ist.
Hier schlägt die Stunde der Visionen. Eine
Vision ist nach unserem Verständnis nämlich jener Punkt in der Zukunft, an dem
wünschbare und denkbare Entwicklungen zusammen kommen. Eine Vision gibt also
Antwort auf die Frage, wohin wir wollen, und bleibt dabei zugleich auf dem
Boden, indem sie eine realistische Basis hat: Visionen lassen sich nämlich
grundsätzlich verwirklichen.
Eine Vision integriert also Utopie und
Prognose, indem sie die Vorteile dieser beiden Arten von Zukunftsentwürfen
aufnimmt und ihre Nachteile vermeidet. Sie berücksichtigt unsere Wünsche an die
Zukunft, ohne sich im unrealistischen Nebel einer Utopie zu verlieren, weil sie
nur von solchen Wünschen spricht, deren Realisierung denkbar und möglich ist.
Visionen sind somit ideale Leuchttürme in der Zukunft.
Wir sprechen dabei bewusst von Visionen in
der Mehrzahl. Niemand kann in einer offenen Gesellschaft den Anspruch erheben,
über die einzige und allein selig machende Vision zu verfügen. Das gilt auch
für die hier vorgestellte Vision von der Zukunft der Schweiz. Sie will und soll
sich dem Wettbewerb mit anderen Visionen stellen. Und sie schliesst andere
visionäre Vorstellungen nicht aus, sondern kann von diesen befruchtet werden,
so wie sie umgekehrt andere Zukunftsvorstellungen befruchten kann.
Der Qualitätsmassstab für eine Vision ist
ihre Attraktivität. Das lässt sich durchaus wörtlich verstehen, denn
Attraktivität bedeutet ganz einfach Anziehungskraft. Wenn eine Vision attraktiv
ist, wird sie von immer mehr Menschen geteilt und entfaltet so ihre Wirkung als
strahlender Leuchtturm in der Zukunft, der uns den Weg dahin erhellt.
Eine Vision ist also ein Attraktor, ein
Anziehungspunkt in der Zukunft. Doch zugleich sagt eine Vision immer auch viel
über die Gegenwart aus, in der sie entstanden ist. Genauer über das, was uns
daran stört und missfällt, was wir zurücklassen und nicht in die Zukunft
mitschleppen wollen.
Davon gibt es auch in der Schweiz
reichlich. Und gerade weil uns die Zukunft der Schweiz am Herzen liegt, möchten
wir beim Unbehagen darüber nicht stehen bleiben, sondern dieses Unbehagen in
einen positiven Alternativentwurf der Zukunft der Schweiz transformieren. Denn
das ist Teil unserer Vision: Dass Kritik nicht um ihrer selbst willen geübt
wird, sondern dass auch dahinter ein konstruktiver Geist wehen soll.
Wozu bildet unsere Vision eine
Alternative? Nun, es ist wohl kein Zufall, dass sie in einem Jahr entstanden
und formuliert worden ist, in dem eidgenössische Wahlen stattfinden.
Schliesslich hängt von der Politik nicht allein, aber doch ganz wesentlich die
Zukunft der Schweiz ab. Was in der Politik geschieht, kann deshalb niemandem
gleichgültig sein, dem diese Zukunft ein Herzensanliegen ist.
Was auf dieser politischen Bühne seit
geraumer Zeit geboten wird, ist nicht sehr erbaulich. Dabei sei daran erinnert,
dass auf dieser Bühne in der Schweiz nicht nur die Politiker mitspielen,
sondern auch das Volk, also Sie und wir. Und zu viele machen mit, wenn über
Pseudoproblemchen gestritten wird, als ob der Weltuntergang bevorstünde,
während die wahren Herausforderungen der Zukunft wie die Tatsache, dass wir als
Menschen wie als Gesellschaft immer älter werden, ignoriert oder auf die lange
Bank geschoben werden.
Auch im Umgang miteinander sind
Verluderungstendenzen feststellbar: Alle beharren auf ihren Maximalforderungen,
der Andersdenkende wird zum Feind erklärt, der böse Absichten hegt. Und manche
würden am liebsten alle, die nicht ihrer Ansicht sind, aus dem gemeinsamen
Sandkasten rauswerfen.
Das alles wirkt auf den gereiften
Beobachter kindisch und pubertär, mit einem Wort unreif. Die Alternative dazu
kann nur Reife heissen, und deshalb beschreibt unsere Vision eine Reife
Schweiz.
Das Wort Vision hat übrigens denselben
Wortstamm wie „Sehen“. Eine Vision ist also einfach eine andere Art der
Betrachtung der Zukunft, eine Erweiterung der Perspektive, des Horizonts. Auch so
gesehen braucht die Schweiz dringend neue Visionen...